Vergebene Chance

30 06 2008

“I am far from having any sympathy with the applicant’s acts and I share the grave concerns raised by the terrible crime against an innocent child. To my regret, however, I am unable to share the conclusions of the majority on the applicant’s continuing victim status and the fairness of the proceedings in his case. Given the insufficient protection of his right not to incriminate himself, in my view he continued to be a victim of coercion, which affected the fairness of the criminal proceedings against him. In my view an opportunity for the applicant to have a retrial should be capable of correcting both these defects.”

Besser als die bulgarische Richterin Zdravka Kalaydjieva es in ihrem Sondervotum zum Fall Gäfgen ./. Deutschland hätte man es nicht formulieren können. Die Mehrheit der Richter sieht die Sache leider anders und stellt damit das absolute Folterverbot bei polizeilichen Vernehmungen zur Disposition. Auch wenn die Richter Straftaten von Polizisten während der Beschuldigtenvernehmung verurteilen - solange solche Taten so gut wie folgenlos bleiben und kein absolutes Fernwirkungsverbot illegal gewonnener Beweise existiert, bilden solche Urteile geradezu eine Einladung für Angehörige staatlicher Behörden, die Grundrechtsgarantien der EMRK zu übergehen.

Leider wird in der Debatte viel zu oft vergessen, dass staatliche Willkür- und Folterakte für jeden einzelnen von uns weit bedrohlicher sind als die Erschwernis, auch grausamste Straftäter zu überführen. Denn staatliche Folter bietet keinen präventiven Schutz gegen Straftaten, bedroht aber Leben und Gesundheit einer Vielzahl (auch unschuldiger) Tatverdächtiger und führt, wenn sie sich etabliert, zu einer Erosion des Vertrauens von Bürgern zum Staat. Insofern hat der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte heute eine große Chance zur Verteidigung der Rechtsstaatlichkeit vergeben und das Vertrauen der Bevölkerung in die Wirksamkeit der Garantien der Europäischen Menschenrechtskonvention ein Stück weit untergraben.





Banküberfall mit Musik

27 02 2007

Mitten in einer belebten Wiener Einkaufsstraße hat heute ein Bankräuber mehrere Menschen als Geiseln genommen. Die Verhandlungen mit der Polizei dauerten mehrere Stunden an. Humor haben dabei die Anwohner bewiesen: Nach einer Meldung der Wiener Kronenzeitung beschallten sie den Tatort mit dem EAV-Hit “Ba, Ba, Banküberfall”.





Gedenken im Vergleich

29 01 2007

Die beste Freundin von allen arbeitet für vier Wochen in Berlin. Das ist eine gute Gelegenheit, um dem täglichen Gang zum Briefkasten für ein paar Tage zu entsagen und mal wieder die Hauptstadt zu besuchen. Und so sitze ich nun auf dem Potsdamer Platz, nutze einen dankenswerterweise kostenlosen Hotspot und verzichte dafür gern ausdrücklich auf mein Fernmeldegeheimnis. Grundrechtsverzicht per Mausklick - was tut man nicht alles, um ins Internet zu kommen.

Mein erster Besuch des Denkmals für die ermordeten Juden Europas ließ mich, einen Tag nach dem internationalen Auschwitz-Gedenktag, eigenartig kalt. Vor einigen Wochen schnürte es mir im Holocaust-Memorial-Museum in Washington den Atem zu. Sachlich präsentierte, aber in ihrer Gegenständlichkeit umso grausamere Exponate aus den Konzentrationslagern, Modelle der Gaskammern und Berichte der Opfer rühren auch tausende von Kilometern entfernt von den Tatorten zu Tränen. Hier in Berlin dagegen, wo die Nazis ihre abscheulichen Verbrechen geplant haben, vermitteln Stelen aus Beton eher Leere als Abscheu oder Mitgefühl. Hier fehlen Menschen, Geschichten und Worte. Vielleicht ist das aber auch ein ganz gutes Symbol für die Lücke, die der millionenfache Mord an den Juden in der deutschen und anderen europäischen Gesellschaften hinterlassen hat.





Schon wieder Ärger mit Kreditkarten

26 01 2007

Meine Bank schreibt mir, daß bei einem Hackerangriff in den USA auch meine Kreditkartendaten “abgegriffen” worden seien. Ist das wirklich offizieller Bankerjargon? Glücklicherweise wurde mein Datensatz noch nicht mißbraucht. Vorsichtshalber wird die alte Karte jedoch gesperrt, und ich erhalte demnächst eine neue.

Nach dem “Abgreifen” der Daten durch den Staat mache ich mir über gewöhnliche Kriminelle jetzt weniger Sorgen. Beim Mißbrauch durch Private wird man zumindest informiert, und für eventuell entstehende Schäden haftet die Bank.





Großartig!

12 01 2007

Heldenhafte Freiheitskämpfer (aus dem nationalistisch-griechischen, kernsozialistischen oder islamistischen Lager, so genau weiß die begeisterte Öffentlichkeit das noch nicht) haben heute am frühen Morgen mit einem gezielten Granatenangriff eine Toilette in der Athener Botschaft der us-imperialistischen Yankees zerstört. Damit ist den linksradikal-muslimischen Neo-Antifa-Hamas-Arier-Zellen ein wichtiger Schlag gegen die internationale Öl-Ausbeuter-, Kriegstreiber- und Zionisten-Mafia unter dem Christen-Cowboy George Bush gelungen. Ohne funktionierende Toilette wird es für die Athener CIA- und Mossad-Agenten deutlich schwieriger werden, ihren Zersetzungskampf gegen das palästinensische/ irakische/ nordkoreanische/ deutsche/ (hier bitte beliebige Ortsbezeichnung einsetzen) Kulturvolk fortzusetzen. Schafft dutzende, hunderte, tausende Athens - kein Klo für Amerika!

Kommando Saddam Hussein/Che Guevara/Vater Abraham





Keine Sonderbehandlung

10 01 2007

“Der Strafbefehl ist keineswegs eine Sonderbehandlung für den Präsidenten des Kasseler Verwaltungsgerichts”, sagt der Sprecher der Staatsanwaltschaft Marburg. Der beschuldigte Richter hat mehr als 1.000 kinderpornographische Bilder aus dem Internet heruntergeladen und wurde dafür mittels Strafbefehl zu einer Freiheitsstrafe von neun Monaten auf Bewährung und einer Zahlung von 4.800 Euro an den Kinderschutzbund verurteilt. Er hat den Strafbefehl inzwischen akzeptiert. Folgen wird noch ein Disziplinarverfahren, das über den Verbleib des Richters im hessischen Staatsdienst entscheidet.





Fadenscheinige Diskussion

21 11 2006

Und wieder ist ein ehemaliger Schüler Amok gelaufen, und wieder gibt es die obligatorischen Diskussionen und Verbotsvorschläge. Da wird einerseits gefordert, bestimmte Computerspiele zu verbieten, und andererseits wird wieder einmal die Lehrerschaft zum Sündenbock der Nation gemacht. Dabei ist allen Verantwortlichen klar, daß diese Diskussion nichts bringt und die Sicherheit an den Schulen kein bißchen erhöht. Hier soll offensichtlich die Öffentlichkeit beruhigt und der Eindruck erweckt werden, daß sich irgendetwas verändert - selbst wenn ein Verbot von Computerspielen in Zeiten des Internet keinerlei Sinn ergibt.

Die einizg wirksame Maßnahme gegen bewaffnete Amokläufer in der Schule sind Eingangskontrollen vor den Schulgebäuden, verbunden mit Leibesvisitationen und Durchleuchtung von Schultaschen und Rucksäcken. Schulen und Universitäten in den USA haben mit einer solchen Campus Police gute Erfahrungen gemacht. Das kostet natürlich Geld, das entweder der Staat oder die Eltern aufbringen müßten. Außerdem ist es für die Schüler eine zusätzliche, tägliche Belastung.

Die Politik müßte nun die Frage beantworten, ob man flächendeckend Waffenkontrollen einführen will oder lieber weitere Opfer in Kauf nimmt. Beide Alternativen sind nicht erfreulich, so daß es nicht verwundert, daß Politiker sich lieber an der Scheindebatte über Computerspiele beteiligen, statt sachliche Lösungen zu diskutieren.





Kassel: Mordanschlag auf katholischen Priester

11 09 2006

Der katholische Kaplan Aloys Weber (70) aus Kassel ist heute nachmittag von einem 28jährigen Türken mit drei Messerstichen, darunter in die Herzspitze, lebensgefährlich verletzt worden. Der Täter, der die Geistlichen der Gemeinde bereits früher als “Verkörperung des Bösen” bezeichnet und bedroht hatte, läutete an der Tür der Kirchengemeinde und stieß dann sofort mit dem Messer zu. Der Kaplan wurde sofort ins Krankenhaus gebracht und schwebt zur Zeit in Lebensgefahr. Der Täter ist bewaffnet und auf der Flucht und gilt als extrem gefährlich. Weitere Infos gibt es bei der HNA und der Polizeipresse.





Diebstahl mal anders

12 08 2006

Der Diebstahl von Gebrauchtfahrzeugen ist in den letzten Jahren durch eingebaute Wegfahrsperren, die Möglichkeit der Satellitenortung und eine verbesserte europäische Zusammenarbeit der Polizei deutlich unattraktiver geworden. Außerdem muß der Dieb jemanden haben, der ihm den Wagen abnimmt und dafür zahlt.

Durch steigende Kraftstoffpreise kommt nun allerdings eine Art des Diebstahls in Mode, an die bis vor kurzem noch niemand gedacht hat:der Benzinklau. Findige Kriminelle kriechen unter Autos, sägen die Kraftstoffleitung an und fangen das auf diese Weise gewonnene Benzin ab. Für die Opfer ist das eigentlich Ärgerliche nicht der gestohlene Kraftstoff, sondern die anschließend notwendige Reparatur des Fahrzeugs.

Man möchte nicht glauben, daß sich Menschen für einen Betrag von zumeist deutlich unter hundert Euro strafbar machen. Die Erfahrung zeigt leider das Gegenteil.





Vom Saulus zum Paulus

26 07 2006

Kann ein Mensch, der einen anderen Menschen aus Habgier ermordet hat, nach der Verbüßung seiner Strafe als Seelsorger arbeiten? Bernhard D., der als junger Erwachsener seine Ehefrau ermordete, ist heute als Theologe in der Nordelbischen Landeskirche tätig. Er tauft, traut, predigt und beerdigt. Spiegel Online berichtet über den Lebensweg eines reuigen Sünders, resozialisierten Straftäters und immer wieder angefeindeten Theologen.





Auf dem islamischen Auge blind

26 07 2006

Wie die taz in ihrer gestrigen Ausgabe berichtet, ist es in Bremen trotz Polizeipräsenz zu unappetitlichen und möglicherweise sogar strafrechtlich relevanten Szenen gekommen. Während jüdische Passanten von einem islamistischen Mob bespuckt und bedroht wurden, konnten Hizbullah-Anhänger ungestört Plakate mit Hakenkreuzen und Parolen wie “Vernichtet Israel” zeigen. Offenbar war bei dieser Demonstration kein einziger Beamter vor Ort, der die arabische Sprache beherrscht.

Mit von der Partie sollen auch Altlinke gewesen sein, die trotz der Entführungen von israelischen Soldaten und der Raketenangriffe auf zivile Ziele noch vom “palästinensischen Widerstand” träumen. Es bleibt zu hoffen, daß die Bremer Staatsanwaltschaft bald die Ermittlungen aufnimmt.





Von einer Mordhauptstadt in die andere

21 07 2006

Manchmal werde ich von Freunden und Kollegen gefragt, ob ich nicht Bedenken hätte, in der Wahlstation in die amerikanische Hauptstadt zu gehen. Immerhin gilt Washington auch als “Mordhauptstadt” der USA, selbst wenn die Zahlen in letzter Zeit rückläufig sind.

Meine Antwort besteht in einem Hinweis auf die deutsche Kriminalstatistik. Ich absolviere mein Referendariat nämlich zur Zeit in der heimlichen “Mordhauptstadt” Deutschlands, und das ist erstaunlicherweise weder Berlin noch Frankfurt, sondern Kassel. In keiner anderen deutschen Stadt geschehen mehr Tötungsdelikte pro 100.000 Einwohner, zuletzt an einem Kioskbesitzer und einer Schülerin. Da die offizielle Einwohnerstatistik Kassels aber knapp unter 200.000 Einwohner aufweist, wird die Stadt in der offiziellen polizeilichen Kriminalstatistik nicht gesondert aufgeführt.

Immerhin liegt das prozentuale Niveau auch in Kassel deutlich unter dem der USA. Allerdings sagt die deutsche Statistik nichts über das vorhandene Dunkelfeld aus, welches unter anderem durch eine im internationalen Vergleich geringe Zahl von Obduktionen relativ groß sein dürfte.