07.02.2008
Ganz England diskutiert die heutige Rede des Erzbischofs von Canterbury, in der er behauptet hat, die Einführung der Scharia in Teilen des englischen Rechts sei unausweichlich. Bezogen hat er das wohl auf das Familienrecht, da er seine Ansicht u.a. mit jüdischen Eheschließungen begründet hat, die in Großbritannien bereits anerkannt werden.
Natürlich wurde dieses Ansinnen von Politikern und Juristen scharf zurückgewiesen – die rule of law dürfe keine Unterschiede zwischen den Religionen machen. Böse Säkularisten fürchten sogar, der Erzbischof wolle auch für seine Kirche demnächst wieder Sonderrechte fordern und in England quasi durch die Hintertür wieder die Hexenverbrennung einführen.
Sehr schön auch der Kommentar einer Journalistin, die einer Politikerin auf deren Forderung der equal justice under law entgegen hielt, es gäbe ja schon verschiedene Rechte, die nebeneinander Geltung beanspruchen würden – neben dem englischen Recht stünde nämlich das aus Europa. Auf ein bißchen Scharia mehr oder weniger käme es dann auch nicht mehr an (es handelte sich übrigens um eine Sendung von BBC One – bevor hier noch jemand auf das Privatfernsehen schimpft). Noch interessanter argumentierte ein islamischer Würdenträger, der die Mehrehe empfahl, weil es mehr heiratsfähige Frauen als Männer gebe. – Wie lange wird es wohl dauern, bis die deutschen Kirchen ähnliche Forderungen nach Anerkennung des islamischen Rechts stellen?
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08.02.2008
Die modische Londonerin trägt heute Minirock und dunkle Strumpfhosen zu allen Arten von Winterstiefeln. In einem Jahr wird diese Mode Berlin, in einem weiteren Hamburg erreichen. Wenn sich in drei bis vier Jahren kein Mensch mehr in London an diesen Aufzug erinnert, friert dann dergestalt gekleidet die deutsche Jugend in der Provinz.
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Der Besuch berühmter Londoner Kirchen kostet den kunstsinnigen Besucher jeweils 10 £. Wer allerdings einen Gottesdienst besucht, darf umsonst und ganz in Ruhe einen Blick auf die heiligen Hallen werfen. Ein Tip: Der Evensong in Westminster Abbey findet werktäglich um 5 p.m. statt, und geboten wird neben zwei Bibellesungen und dem Gebet für die königliche Familie vor allem feinste Choralmusik von der Gregorianik bis in den Barock. Die Vikare der Abtei singen in ihren traditionellen rot-weißen Gewändern ein täglich wechselndes Programm. Warum also Eintritt zahlen?
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09.02.2008
Fährt der rechtsgeschichtlich interessierte Tourist an den Gerichtshöfen ihrer Majestät vorbei nach Osten, erreicht er nach einiger Zeit die mächtigen Mauern des Londoner Towers. Hier präsentieren altgediente Soldaten der Königin auf amüsante Weise die Geschichte von Herrscherhaus und Königreich. Diese scheint, glaubt man den Yeomen, überwiegend aus Familienfehden und Hinrichtungen zu bestehen. Sehenswert ist auch die Rüstkammer in der Weißen Burg. Die beste Freundin von allen wurde dagegen stärker von den Kronjuwelen des Königshauses inspiriert – und zu einem Kauf im nahegelegenen Jewel Shop animiert.
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Eigentlich wollte ich auch etwas über Harrods, diese Londoner Shopping-Institution, schreiben. Aber viel fällt mir dazu nicht ein. Ambiente und Personal sind nett, aber der Gipfel des Einkaufserlebnisses will sich nicht einstellen. Dafür steht auch zu viel kitschiges Zeug herum. Vielleicht bin ich aber auch einfach nur nicht der Typ, der sich darüber freut, wenn ihn in der Fleisch- und Wurstabteilung ein grinsendes Schweinchen anschaut, während neben ihm die Skulptur eines geöffneten Schweinebauchs den Blick auf die Innereien freigibt.
Sehr empfehlenswert sind immerhin die vielen Cafés und Restaurants im Hause, die müde Füße zum Verweilen einladen. Das Kännchen Afternoon Tea kostet 3,30 £ und enthält sagenhafte vier Tassen.
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Der komplette Lord of the Rings als dreistündiges Musical? Das kann nicht funktionieren! Tut es aber doch, wie das Theatre Royal in der Drury Lane allabendlich beweist. Zugegeben, es ist nicht jede Szene des Buches auf der Bühne wiederzufinden, und viele Charaktere wurden ganz gestrichen. Auch wird sehr viel gesprochen und nicht ganz so viel gesungen – und manche Szenen mit den Hobbits erinnern stark an Riverdance. Die vor allem durch ihre optischen Effekte überzeugende Show unterhält jedoch gut und findet in der Erzählung der Geschichte zumeist überzeugende Lösungen. Neben schwarzen Reitern, Balrog, Orks, Ents und der Riesenspinne Kankra ragt vor allem die Darstellung des schizoiden Gollum heraus, dessen innere Zerrissenheit in der Aufführung eindrucksvoll in Szene gesetzt wird.
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10.02.2008
Der Londoner Nahverkehr ist schon an sich nicht billig, aber die Preisliste führt eindeutig der Heathrow Express an. Gerade deswegen ist die fünfzehnminütige Fahrt ein Genuß: Relativ wenige Passagiere lassen sich in die weichen Sitze fallen, um während der Fahrt im Internet zu surfen oder die eigens für den Zug produzierten BBC World News zu sehen. Kein Vergleich zur Johann-Strauß-Schrammelei in den Touristenbussen! Leider muß man dann in Heathrow aussteigen, und dieser Flughafen ist aufgrund seiner Größe und Organisation eine mittlere Katastrophe.
Notiz an mich selbst: In Zukunft, wenn möglich, kleinere Flughäfen wählen.