Gerichtskantinenbloggen

4 04 2008

Gibt es eigentlich schon ein Gerichtskantinenblog? Die Kantine des Landgerichts Wiesbaden heißt Justitia´s Inn und kredenzte ihren Gästen heute u.a. Pangasiusfilet auf Tomaten an Salzkartoffeln. Für nur 3,80 Euro inklusive einer schmackhaften Cremesuppe als Vorspeise erstaunlich gut.

Fazit: 4,5 von 5 Kochlöffeln





Londoner Notizen

11 02 2008

07.02.2008

Ganz England diskutiert die heutige Rede des Erzbischofs von Canterbury, in der er behauptet hat, die Einführung der Scharia in Teilen des englischen Rechts sei unausweichlich. Bezogen hat er das wohl auf das Familienrecht, da er seine Ansicht u.a. mit jüdischen Eheschließungen begründet hat, die in Großbritannien bereits anerkannt werden.

Natürlich wurde dieses Ansinnen von Politikern und Juristen scharf zurückgewiesen - die rule of law dürfe keine Unterschiede zwischen den Religionen machen. Böse Säkularisten fürchten sogar, der Erzbischof wolle auch für seine Kirche demnächst wieder Sonderrechte fordern und in England quasi durch die Hintertür wieder die Hexenverbrennung einführen.

Sehr schön auch der Kommentar einer Journalistin, die einer Politikerin auf deren Forderung der equal justice under law entgegen hielt, es gäbe ja schon verschiedene Rechte, die nebeneinander Geltung beanspruchen würden - neben dem englischen Recht stünde nämlich das aus Europa. Auf ein bißchen Scharia mehr oder weniger käme es dann auch nicht mehr an (es handelte sich übrigens um eine Sendung von BBC One - bevor hier noch jemand auf das Privatfernsehen schimpft). Noch interessanter argumentierte ein islamischer Würdenträger, der die Mehrehe empfahl, weil es mehr heiratsfähige Frauen als Männer gebe. - Wie lange wird es wohl dauern, bis die deutschen Kirchen ähnliche Forderungen nach Anerkennung des islamischen Rechts stellen?

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08.02.2008

Die modische Londonerin trägt heute Minirock und dunkle Strumpfhosen zu allen Arten von Winterstiefeln. In einem Jahr wird diese Mode Berlin, in einem weiteren Hamburg erreichen. Wenn sich in drei bis vier Jahren kein Mensch mehr in London an diesen Aufzug erinnert, friert dann dergestalt gekleidet die deutsche Jugend in der Provinz.

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Der Besuch berühmter Londoner Kirchen kostet den kunstsinnigen Besucher jeweils 10 £. Wer allerdings einen Gottesdienst besucht, darf umsonst und ganz in Ruhe einen Blick auf die heiligen Hallen werfen. Ein Tip: Der Evensong in Westminster Abbey findet werktäglich um 5 p.m. statt, und geboten wird neben zwei Bibellesungen und dem Gebet für die königliche Familie vor allem feinste Choralmusik von der Gregorianik bis in den Barock. Die Vikare der Abtei singen in ihren traditionellen rot-weißen Gewändern ein täglich wechselndes Programm. Warum also Eintritt zahlen?

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09.02.2008

Fährt der rechtsgeschichtlich interessierte Tourist an den Gerichtshöfen ihrer Majestät vorbei nach Osten, erreicht er nach einiger Zeit die mächtigen Mauern des Londoner Towers. Hier präsentieren altgediente Soldaten der Königin auf amüsante Weise die Geschichte von Herrscherhaus und Königreich. Diese scheint, glaubt man den Yeomen, überwiegend aus Familienfehden und Hinrichtungen zu bestehen. Sehenswert ist auch die Rüstkammer in der Weißen Burg. Die beste Freundin von allen wurde dagegen stärker von den Kronjuwelen des Königshauses inspiriert - und zu einem Kauf im nahegelegenen Jewel Shop animiert.

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Eigentlich wollte ich auch etwas über Harrods, diese Londoner Shopping-Institution, schreiben. Aber viel fällt mir dazu nicht ein. Ambiente und Personal sind nett, aber der Gipfel des Einkaufserlebnisses will sich nicht einstellen. Dafür steht auch zu viel kitschiges Zeug herum. Vielleicht bin ich aber auch einfach nur nicht der Typ, der sich darüber freut, wenn ihn in der Fleisch- und Wurstabteilung ein grinsendes Schweinchen anschaut, während neben ihm die Skulptur eines geöffneten Schweinebauchs den Blick auf die Innereien freigibt.

Sehr empfehlenswert sind immerhin die vielen Cafés und Restaurants im Hause, die müde Füße zum Verweilen einladen. Das Kännchen Afternoon Tea kostet 3,30 £ und enthält sagenhafte vier Tassen.

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Der komplette Lord of the Rings als dreistündiges Musical? Das kann nicht funktionieren! Tut es aber doch, wie das Theatre Royal in der Drury Lane allabendlich beweist. Zugegeben, es ist nicht jede Szene des Buches auf der Bühne wiederzufinden, und viele Charaktere wurden ganz gestrichen. Auch wird sehr viel gesprochen und nicht ganz so viel gesungen - und manche Szenen mit den Hobbits erinnern stark an Riverdance. Die vor allem durch ihre optischen Effekte überzeugende Show unterhält jedoch gut und findet in der Erzählung der Geschichte zumeist überzeugende Lösungen. Neben schwarzen Reitern, Balrog, Orks, Ents und der Riesenspinne Kankra ragt vor allem die Darstellung des schizoiden Gollum heraus, dessen innere Zerrissenheit in der Aufführung eindrucksvoll in Szene gesetzt wird.

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10.02.2008

Der Londoner Nahverkehr ist schon an sich nicht billig, aber die Preisliste führt eindeutig der Heathrow Express an. Gerade deswegen ist die fünfzehnminütige Fahrt ein Genuß: Relativ wenige Passagiere lassen sich in die weichen Sitze fallen, um während der Fahrt im Internet zu surfen oder die eigens für den Zug produzierten BBC World News zu sehen. Kein Vergleich zur Johann-Strauß-Schrammelei in den Touristenbussen! Leider muß man dann in Heathrow aussteigen, und dieser Flughafen ist aufgrund seiner Größe und Organisation eine mittlere Katastrophe.

Notiz an mich selbst: In Zukunft, wenn möglich, kleinere Flughäfen wählen.





Untervollmacht unerwünscht

31 01 2008

Heute morgen beim AG Soltau, Zivilabteilung: Ich bin in Untervollmacht dort, eine halbe Stunde zu früh da und erlebe eine freundlich-fröhliche Atmosphäre mit lauter Kleinstangelegenheiten. Der Richter ist gut aufgelegt, scherzt mit den Anwälten (Anwalt: <gähnt> “Entschuldigung, ich bin zu so früher Stunde noch etwas müde…”, Richter: “Soll ich das ins Protokoll aufnehmen?”), erzählt beim Warten auf die Parteien von seinen Urlaubsplänen und schildert einen seiner letzten Ebay-Fälle - statt eines Notebooks wurde ein Stück Holz verschickt.

Als “mein” Fall verhandelt wird und ich dem Richter meine Untervollmacht reichen will, weist er sie lachend zurück: “Davon wird doch nur die Akte dicker. Wenn Sie sagen, Sie sind bevollmächtigt, dann sind Sie für mich auch bevollmächtigt. So einfach ist das.”

Hoffentlich kann ich da bald mal wieder auftreten.





Unerwartetes Wiedersehen

3 10 2007

Kürzlich Termin vor dem Landgericht Koblenz. Ich kenne in Koblenz genau einen Menschen, nämlich einen ehemaligen Kommilitonen, der dort seit einigen Monaten als Verwaltungsrichter arbeitet. Als ich aus dem Taxi steige, steht eben dieser Richter vor dem Gericht und wundert sich, was ich denn wohl in Koblenz tue. Sehr schöner Zufall, sehr nette Begegnung, davon bitte zukünftig mehr.





Alle an Bord?

13 02 2007

“Sehr geehrte Damen und Herren, hier eine Durchsage für an Bord befindliches Personal der Deutschen Bahn AG: Falls sich im Zug ein Lokführer befindet, kommen Sie bitte ins Dienstabteil in Wagen 6.”

Diese Durchsage hörte ich neulich im IC zwischen Osnabrück und Hannover. Und fragte mich, wer wohl gerade die Lok fuhr.





Nicht für Wessis

6 01 2007

Eine gerade nach Berlin gezogene Freundin berichtet Erstaunliches: Als ihre Mutter nach einem Besuch mit dem Zug zurück nach NRW fuhr, bat sie einen Mitreisenden beim Verstauen ihres Koffers um Hilfe.

Die überraschende Antwort des Herren: “Für Wessis steh´ ick nich´ oof.” Sprach´s und rührte keinen Finger.

Sechzehn Jahre deutsche Einheit wiegen offensichtlich keine fehlende Kinderstube auf.





Rules of the House

5 10 2006

If you sleep on it …make it up.
If you wear it …hang it up.
If you drop it …pick it up.
If you eat out of it …wash it.
If you spill it …wipe it up.
If you turn it on …turn it off.
If you open it …close it.
If you move it …put it back.
If you break it …repair it.
If you empty it …fill it up.
If it rings …answer it.
If it howls …feed it.
If it cries …love it.





Zwischen hier und dort

1 10 2006

Die WLAN-Versorgung auf dem Frankfurter Flughafen ist wunderbar, und auch die Suche nach einer freien Steckdose im Terminal B gestaltete sich letztlich erfolgreich. Der Flug von Bremen war kurz und ruhig (der Nachname der Flugkapitänin “von Sturm” war kein Programm), und der Service der Lufthansa gewohnt angenehm. So macht Reisen Spaß.

Lediglich die Sicherheitsvorkehrungen haben spürbar zugenommen. So intensiv wie heute ist mein (hauptsächlich technisches) Handgepäck noch niemals überprüft worden. Und ich habe am Flughafen auch noch nie die Schuhe ausgezogen. Vermutlich dank eines bunten Hemdes und des kurzen Haarschnitts werde ich zudem permantent auf Englisch angesprochen. Als ich dem Sicherheitspersonal daraufhin grinsend einen guten Morgen wünsche, kommt ein Spruch zurück: “Sie werden drüben mit der Integration keine Probleme haben.” Vielen Dank, aber auch die schönste Wahlstation endet irgendwann wieder.

Frankfurter Flughafen, Terminal B





Zwei Tage in Berlin

24 08 2006

Auf der Hinfahrt den gespenstisch-leeren Bahnhof Zoo erlebt & erstmals die “Kathedrale der Mobilität” im fertigen Zustand betreten & ein paar in die Hauptstadt gezogene Freunde wiedergetroffen & im Hilton (Kantine) gut gegessen und noch besser Kaffee getrunken & zufällig zwei alte Wirkungsstätten besucht (Friedrichstraße und Robert-Koch-Platz) und ganz nostalgisch geworden & kitschig-heruntergekommene Szeneläden in Mitte bestaunt & ganz phantastisch und dabei auch noch preiswert bei Monsieur Vuong vietnamesisch gegessen (längst kein Geheimtip mehr, wer nicht kurz nach Ladenöffnung kommt, muß damit rechnen, auf einen Tisch zu warten) & Klatsch und Tratsch aus dem Ministerium gehört & am Hackeschen Markt viel zu lange auf lauwarme Milchkaffees gewartet und trotzdem nicht darüber geärgert & auf der WG-Couch übernachtet (bei gaaaaanz hippen Leuten mit freizügigen schwarz-weiß Selbstportrait-Fotostreifen in der Küche; die machen bestimmt alle irgendwas Supitolles mit Medien) & mal wieder mit der U-Bahn nach Dahlem gefahren & im amerikanischen Konsulat erlebt, daß die Arbeit dort auch nicht anders aussieht als in der Stadtverwaltung Castrop-Rauxel & nach drei Stunden Wartezeit zwei Fingerabdrücke abgegeben und ein Visum bekommen & zurück am Hauptbahnhof die DB Lounge für ungemütlich befunden & pünktlich und bequem mit dem Zug zurück in die Provinz gefahren und dabei unverhofft auch noch einen weiteren Bekannten getroffen, der mich auf der Rückfahrt sehr erfolgreich vom Lesen abgehalten hat.

Dafür diesmal kein einziges Museum. Und gelernt habe ich an den zwei Tagen auch fast nichts. Ein paar Fotos gibt es hier.





Post von der Lufthansa

22 08 2006

Die Lufthansa hat mir eine längere Mail geschickt, denn die Buchungsdaten für meinen Flug nach Washington wurden geändert. Aufgeführt sind die neuen Flugdaten, außerdem ein längerer Text über verschärfte Einreisebedingungen in die USA. Falls ich wegen der Umbuchung noch Fragen habe, darf ich mich gern an meinen Lufthansa Ansprechpartner werden.

Ehrlich gesagt hatte ich zuerst Probleme zu erkennen, was sich überhaupt geändert hat. Dann habe ich meine ursprüngliche Buchung herausgesucht und bemerkt, welche Änderung da auf mich zukommt: Im Ergebnis hebt mein Zubringer-Flieger in Bremen ganze zehn Minuten später ab als geplant. So eine Ansprache möchte ich mal bei einer der üblichen Verspätungen der Bahn erleben.