Kinderweblogschock

29 04 2008

Wenn es in den späten 70ern und frühen 80ern des letzten Jahrhunderts schon das Internet und Weblogs gegeben hätte, dann könnte ich jetzt möglicherweise meine Babyphotos (”Er ist ja sooooo süß!”), Berichte meiner Mutter über meine diversen Befindlichkeiten und Kinderkrankheiten (”Er zahnt schon!”), Zappelphilipp-Geschichten (”Warum sitzt er nicht still / schläft er nicht durch / mag er nicht richtig essen?”), Diskussionen über meine Ernährung und das richtige frühkindliche Spielzeug für mich (”Er ist ja so begabt!”) und - Gott bewahre! - MP3-Dateien mit Baby-Brabbeleien und Kindergartengesängen (”Mit drei Jahren kann er schon …”) herunterladen. Stattdessen gibt es glücklicherweise nur diverse alte papierne Fotoalben mit vergilbten Bildern, Erinnerungen an Milupa-Brei und Sanostol (ein Grund für über 190 cm Körpergröße?), einige im Elternhaus erhaltene selbstbemalte Erinnerungsstücke aus dem Kindergarten und eine vollgesunge Musikcassette mit Kindergarten-Hits wie “Die Wissenschaft hat festgestellt, dass Zigarette Heu enthält” im hintersten Winkel des Dachbodens. Glück gehabt!

Die heutigen Kleinkinder haben es nicht so gut. Jungmuttis und -papis basteln Weblogs für die lieben Kleinen, stellen vom ersten Ultraschallbild bis zur Konfirmation ganze Bilderserien ihrer Sprößlinge auf ihre Internetseiten, und noch im Rentenalter um das Jahr 2080 werden die heutigen Kinder als Greise nachlesen können, wann ihnen im Jahr 2008 das Fieber der Mittelohrentzündung zugesetzt oder der Schneidezahn gewackelt hat. Ganz mutige Eltern diskutieren in ihren Weblogs sogar, ob man Schreikindern nachts ausnahmsweise mal ein leichtes Narkotikum verabreichen darf, wie man Maurice-Romeo das Fingernägelkauen abgewöhnt und warum Leana Tiara Aimee nach dem Genuss von Pastinake-Pampe immer so laut pupst. Etwa ab der Mittelstufe führen diese Einträge, die selbstverständlich nie wieder rückstandsfrei aus dem Netz zu entfernen sind, zu großer Freude unter den dann halbwüchsigen Klassenkameraden.

Muss man den armen Kindern das alles antun? Reicht es nicht, dass wir erwachsenen Blogger uns mit unseren eigenen Geschichtchen weltweit lächerlich machen? Oder juristisch formuliert: Gebieten es nicht allgemeines Persönlichkeitsrecht und Kindeswohl den Eltern, mit den personenbezogenen Daten ihres Nachwuchses und dabei vor allem den kindheitsbezogenen Aspekten sorgsam umzugehen?

Hoffentlich erinnert mich jemand umgehend an meine eigenen Worte, falls ich dereinst als stolzer Papa das erste Weblog für Kendra-Florentina oder Bobby Cedric Jonas eröffnen sollte… ;-)

(P.S. Aus naheliegenden Gründen finden sich in den Artikeln keine Verlinkungen. Die geneigte Leserschaft ist sicher längst selbst auf genügend abschreckende Beispiele der oben genannten Art gestoßen.)





Für Anwälte verboten

14 04 2008

Das Blog Hartz IV Idee hat ein interessantes Impressum. Dort heißt es (neben eine Reihe von anderen rechtlich unhaltbaren Bestimmungen):

“Um der Abmahnwelle vorzubeugen, ist der Zugang zu dieser Webseite/Blog , Anwälten ausdrücklich untersagt [...]

Auch der ausgestreckte Mittelfinger auf der nebenstehenden Grafik ist nicht gerade nett, paßt aber zum restlichen Stil des Blogs. Immerhin gelingt dem Autor “MedienGuerilla” keine echte Diskriminierung, denn glücklicherweise differenziert das WWW bis auf wenige Ausnahmen (DocCheck) nicht nach Berufsträgern.





Endlich: Insider bloggt bei Beck

4 04 2008

Hut ab vor dem Münchener Beck-Verlag! Kaum wird hier im Blog gekrittelt, dass neben den hochoffiziellen Experten auch ein “Insider-Blog” interessant wäre, beginnt der neue Community-Manager mit den ersten Einträgen. Dieser neue Mitarbeiter im altehrwürdigen Verlag ist niemand anders als der hochwohllöbliche Ralf Zosel, der aus Saarbrücken an die Isar gewechselt ist. Ralf ist Initiator des Jurawiki, Mitautor des LAWgical-Blogs und hat - zusammen mit Dr. Jochen Notholt vom Tingeltangel Blog - die juristischen Blogger auf den EDV-Gerichtstag gebracht. Schön zu sehen, dass bei Beck neben den juristischen Inhalten auch die Medienkompetenz stimmt!

Nachtrag: Die gewöhnlich gut informierten Kreise verlautbaren, dass sich Ralf zur Zeit nicht auf Neuseeland befindet…





Andere Länder, andere Behördenwebsites

31 03 2008

Sie finden den Internetauftritt der meisten deutschen Behörden wenig ansprechend und recht trist gestaltet? Dann schauen Sie sich doch einmal die fröhlich-bunte Website der Korea Food & Drug Administration an. Die sieht fast so aus, als wenn der Webdesigner mit den entsprechenden Mittelchen versorgt worden wäre, die diese Behörde zu überwachen hat…





Beck bloggt

18 01 2008

Schau einer an, der Beck-Verlag hat jetzt auch ein eigenes Blog. Es läuft zwar noch im Betatest, aber “DIE EXPERTEN” haben schon eine ganze Reihe rechtlicher Meldungen zusammengetragen. Für ein echtes Unternehmensblog fehlen allerdings Einblicke in das Verlagsgeschehen und Geschichten aus dem Arbeitsalltag - eine Mischung, die z.B. das Tagesschau-Blog (um ein weiteres Beispiel aus dem Medienbereich zu zitieren) so erfolgreich macht. Der eine oder andere Blick hinter die Kulissen der “Palandt-Macher” wäre jedenfalls sehr interessant.





Kein Verkaufsfaktor

16 10 2007

Ein deutsches Verlagshaus schreibt mich unter meiner Firmenadresse in “Buchholz, Germany” an und bewirbt ein naturwissenschaftliches Blättchen. Gleichzeitig informiert es mich, dass der, die oder das ISI (was immer sich dahinter verbergen mag) dieser Postille nun schon zum dritten Mal hintereinander einen höheren Impact Factor zugesprochen habe und ich dieses superwichtige Organ nun unbedingt auch beziehen müßte. Schließlich habe dies das wissenschaftliche Ansehen der Zeitschrift “enorm gesteigert”.

Liebe Freunde aus dem Verlagswesen: Ich kenne Euer Blatt nicht, und ich weiß auch nicht, warum ein wie auch immer von wem auch immer berechneter Impact Factor mich dazu bewegen soll, daß sich das ändert. Wenn Ihr ein interessantes Blatt habt, dann schickt mir ein Probeexemplar, und wenn es für meinen Job wichtige Informationen enthält, gibt es eine gewisse Chance, daß das Unternehmen es abonniert. Akademisches Schaulaufen mit irgendwelchen Faktoren hilft mir aber überhaupt nicht weiter - schließlich leben NJW, JZ, GRUR usw. seit Jahrzehnten sehr gut ohne statistische Erbsenzählereien.





Hamburger Zuverlässigkeit

5 06 2007

In einem Hamburger Branchenmagazin lese ich gerade, was den Hamburger Kaufmann von den Kaufleuten anderer Herkunft unterscheidet:

“Ein Hamburger Kaufmann und ein fremder Geschäftsmann versprechen beide ihre Schwiegermutter - doch der Hamburger liefert auch!”

Wenn das nur bei allen Lieferanten so wäre…





Qualitätsjournalismus geht anders

1 06 2007

Falsche Kommata, fehlende Zeichen, schiefe Sätze - all das kann man dem schnellen und zugleich kostenlosen Onlinejournalismus verzeihen. Was ich aber gerade bei Spiegel Online gelesen habe, darf dagegen nicht passieren:

“Das Treffen von Versailles 1982 gilt als bisheriger Tiefpunkt der Gipfelgeschichte. Damals kam es zum transatlantischen Streit über die Frage, ob die EU eine Gaspipeline in die Sowjetunion bauen darf.”

1982? Sowjetunion? EU? Da war doch was…





Reden im Radio

12 03 2007

Den Text meines heutigen Radiointerviews hat der Deutschlandfunk inzwischen transkribiert und online gestellt. Es ist doch einigermaßen erschreckend zu sehen, wie wenig ich heute trotz (oder wegen?) aller Konzentration grammatikalisch korrekt und druckreif gesprochen habe. Dennoch bin ich natürlich froh, daß Thesis ein paar Minuten Sendezeit bekommen hat, um seine durchaus zwiegespaltene Position zum Bologna-Prozeß darzustellen. Interessant ist dabei, daß ich die Überschrift (”Wir sind auch dagegen!”) so niemals gesagt habe, da die Mitglieder von Thesis dem Konzept von Graduiertenschulen zwar kritisch, aber nicht vollständig ablehnend gegenüberstehen. Meine Freude darüber, in dieser Debatte öffentlich wahrgenommen zu werden, kann das allerdings nicht schmälern.





Rechtsdurchsetzung? Nein, danke!

12 03 2007

Der Seeheimer Kreis, eine ansonsten ernstzunehmende Vereinigung innerhalb der SPD, hat zum Thema Rauchverbot im Bundestag eine recht eigenwillige Pressemitteilung herausgegeben. Am Schluß heißt es u.a.:

“Die [...] Möglichkeit, das Rauchverbot mit Gewalt durchzusetzen, lehnen wir ab.”

Wäre ja auch noch schöner, wenn für den deutschen Parlamentarier das Gleiche gelten würde, was der Rechtsunterworfene zweiter Klasse (also der normalen Bürger) akzeptieren muß: nämlich daß geltende Gesetze im Regelfall auch durchgesetzt werden - durch Richter, Gerichtsvollzieher, Polizisten, Ordnungsbeamte usw.

Die ganze Geschichte gibt es im Tagesschau-Blog.





Virtuelles Streiten

12 03 2007

“Versuchen Sie nie Konflikte per E-Mail zu lösen. Wir haben in der Vergangenheit viele Beispiele dafür, dass die Situation dann eskaliert und es zu wahren E-Mail-Schlachten, den so genannten Flame-Wars kommt, weil unüberlegt Antworten zurückgepfeffert werden. Hier ist das erste, dass man den persönlichen, direkten Kontakt sucht und zum Telefonhörer greift.”

Dieses Phänomen dürfte jeder kennen, der mindestens eine typische Mailingliste abonniert hat. Allerdings hat man oft die Telefonnummer desjenigen nicht zur Hand, auf den man antworten möchte - erst recht, wenn statt Realnamen Pseudonyme verwendet werden. Was Guido Hertel, Professor für Arbeits-, Betriebs- und Organisationspsychologie an der Universität Würzburg im FAZ.net ansonsten über Arbeitsprozesse in virtuellen Teams zu berichten hat, dürfte auch auf Blogs übertragbar sein.





Strukturiertes Promotionsstudium?

12 03 2007

Wer sich für den Bologna-Prozeß und das Thema “Strukturiertes Promotionsstudium” interessiert, sollte heute nachmittag ab 14.35 Uhr die Sendung Campus & Karriere im Deutschlandfunk einschalten. Neben einer Initiative der Technischen Universitäten zum Erhalt der klassischen Promotion in den Ingenieurswissenschaften werde ich ein kurzes Interview geben und darin die Position des Promovierendennetzwerkes Thesis darstellen.





Judge Judy

6 03 2007

Judith Sheindlin, besser bekannt als Judge Judy, ist das amerikanische Pendant zur deutschen Fernsehrichterin Barbara Salesch. Gemeinsam ist beiden nicht nur der Beruf, sondern auch die Frisur und das lockere Mundwerk. Sheindlin ist gegenüber Klägern und Beklagten allerdings deutlich rabiater als ihre deutsche Kollegin und nimmt auch bei Kleinigkeiten, z.B. unpassender Kleidung der Parteien vor Gericht, kein Blatt vor den Mund. Die ehemalige Familienrichterin ist im Nebenberuf Autorin von populären Büchern mit so schönen Titeln wie “Don´t Pee On My Leg And Tell Me It´s Raining“, in denen sie den Werteverfall der amerikanischen Jugend und die angeblich zu laxe Haltung der Justiz gegenüber Straftätern beklagt.

Kleinere Fälle mit echten Beteiligten und einem Streitwert bis maximal 5.000 $ werden in Sheindlins Show vor großem Publikum innerhalb von zehn bis zwanzig Minuten abgehandelt, und viele davon kann man sich bei Youtube ansehen. Als typisches Beispiel mag ein zehnminütiges Stück über eine Rechtsmaterie dienen, die auch deutsche Amtsrichter häufig bewegt - der Ebay-Betrug:





Hat der Richter wirklich keinen Hammer?

18 01 2007

Warum gibt es in Deutschland keine Geschworenen? Ist der Richter Chef im Gerichtssaal? Bilden die Gerichtsshows im Fernsehen die Realität ab? Und warum sieht man keine echten Prozesse im Fernsehen? Der Vorsitzende Richter am Landgericht Düsseldorf Dr. Ulrich Thole, der zugleich Pressesprecher des Gerichts ist, steht im NRW.TV Rede und Antwort:





Such mir ´nen Job…

12 01 2007

Die FAZjob-Suchmaschine ist schon toll. Mit ein paar Klicks erstellt man ein persönliches Profil, das ungefähr der eigenen Qualifikation entspricht. Und dann bekommt man jeden Tag eine Email mit frischen Stellenanzeigen, die meist erst ein paar Tage später in der Druckausgabe erscheinen. Manche Angebote sind allerdings eher zum Schmunzeln. Warum z.B. mir als Jurist ausgerechnet eine Stellenanzeige für Fitnesstrainer gezeigt wird, bleibt wohl das ewige Geheimnis der Suchmaschine. Allerdings hat die mich auch noch nie z.B. Seilspringen sehen - einer der vielen Balanceakte, der mir schon in der Grundschule nicht gelang. Wie wäre es stattdessen mit einer neuen Rubrik “Schreibtischtäter”?

Zur Ehrenrettung von FAZjob muß ich allerdings hinzufügen, daß mir die Suchmaschine der Arbeitsagentur auch schon einmal einen Arbeitsplatz als Koch in einer Großkantine angeboten hat. Gesucht hatte ich damals nach Stellen für Diplom-Juristen.