Forderungen ist er nicht gewohnt

30 04 2008

Beim teacher ist ein schönes Beispiel für das wenig vertragsgerechte Verhalten eines jugendlichen Handynutzers zu lesen. Umso größer ist allerdings die Enttäuschung, als das Mobilfunkunternehmen auf der Zahlung der angefallenen Kosten beharrt:

“>Die gehen mir so auf den Sack! Die schicken mir keine Rechnung, sondern gleich die Mahnung<, echauffiert er sich. Fast 50 Euro, binnen vierzehn Tagen. Kein Bitte, eine Forderung, das ist er nicht gewohnt.”

Ein wenig Rechtskundeunterricht an den allgemeinbildenden Schulen könnte nicht schaden. Anschauliche Beispiele aus dem Leben gibt es offenbar genug.





Kinderweblogschock

29 04 2008

Wenn es in den späten 70ern und frühen 80ern des letzten Jahrhunderts schon das Internet und Weblogs gegeben hätte, dann könnte ich jetzt möglicherweise meine Babyphotos (”Er ist ja sooooo süß!”), Berichte meiner Mutter über meine diversen Befindlichkeiten und Kinderkrankheiten (”Er zahnt schon!”), Zappelphilipp-Geschichten (”Warum sitzt er nicht still / schläft er nicht durch / mag er nicht richtig essen?”), Diskussionen über meine Ernährung und das richtige frühkindliche Spielzeug für mich (”Er ist ja so begabt!”) und - Gott bewahre! - MP3-Dateien mit Baby-Brabbeleien und Kindergartengesängen (”Mit drei Jahren kann er schon …”) herunterladen. Stattdessen gibt es glücklicherweise nur diverse alte papierne Fotoalben mit vergilbten Bildern, Erinnerungen an Milupa-Brei und Sanostol (ein Grund für über 190 cm Körpergröße?), einige im Elternhaus erhaltene selbstbemalte Erinnerungsstücke aus dem Kindergarten und eine vollgesunge Musikcassette mit Kindergarten-Hits wie “Die Wissenschaft hat festgestellt, dass Zigarette Heu enthält” im hintersten Winkel des Dachbodens. Glück gehabt!

Die heutigen Kleinkinder haben es nicht so gut. Jungmuttis und -papis basteln Weblogs für die lieben Kleinen, stellen vom ersten Ultraschallbild bis zur Konfirmation ganze Bilderserien ihrer Sprößlinge auf ihre Internetseiten, und noch im Rentenalter um das Jahr 2080 werden die heutigen Kinder als Greise nachlesen können, wann ihnen im Jahr 2008 das Fieber der Mittelohrentzündung zugesetzt oder der Schneidezahn gewackelt hat. Ganz mutige Eltern diskutieren in ihren Weblogs sogar, ob man Schreikindern nachts ausnahmsweise mal ein leichtes Narkotikum verabreichen darf, wie man Maurice-Romeo das Fingernägelkauen abgewöhnt und warum Leana Tiara Aimee nach dem Genuss von Pastinake-Pampe immer so laut pupst. Etwa ab der Mittelstufe führen diese Einträge, die selbstverständlich nie wieder rückstandsfrei aus dem Netz zu entfernen sind, zu großer Freude unter den dann halbwüchsigen Klassenkameraden.

Muss man den armen Kindern das alles antun? Reicht es nicht, dass wir erwachsenen Blogger uns mit unseren eigenen Geschichtchen weltweit lächerlich machen? Oder juristisch formuliert: Gebieten es nicht allgemeines Persönlichkeitsrecht und Kindeswohl den Eltern, mit den personenbezogenen Daten ihres Nachwuchses und dabei vor allem den kindheitsbezogenen Aspekten sorgsam umzugehen?

Hoffentlich erinnert mich jemand umgehend an meine eigenen Worte, falls ich dereinst als stolzer Papa das erste Weblog für Kendra-Florentina oder Bobby Cedric Jonas eröffnen sollte… ;-)

(P.S. Aus naheliegenden Gründen finden sich in den Artikeln keine Verlinkungen. Die geneigte Leserschaft ist sicher längst selbst auf genügend abschreckende Beispiele der oben genannten Art gestoßen.)





Süßer Vorname?

16 04 2008

Die junge Dame, die mir gegenübersitzt, heißt Candy. Der Nachname ist einsilbig und klingt typisch deutsch.

Warum tun Eltern ihren Kindern soetwas an?





Fast so schön wie im Heise-Forum

14 04 2008

Dank des kleinen Artikels zu ausgeschlossenen Anwälten wurde ich nicht nur gevettert und jurabilisiert, sondern habe mir auch einige nette Kommentare gefangen. Auch die Zugriffszahlen gehen in die Höhe. Bei WordPress.com stehe ich heute auf Platz zwei der Top-Posts zwischen Gina-Lisa putzt (fast) nackt für Geld und Fady Maalouf als schwul geoutet. Muß ich mir Sorgen machen?





Für Anwälte verboten

14 04 2008

Das Blog Hartz IV Idee hat ein interessantes Impressum. Dort heißt es (neben eine Reihe von anderen rechtlich unhaltbaren Bestimmungen):

“Um der Abmahnwelle vorzubeugen, ist der Zugang zu dieser Webseite/Blog , Anwälten ausdrücklich untersagt [...]

Auch der ausgestreckte Mittelfinger auf der nebenstehenden Grafik ist nicht gerade nett, paßt aber zum restlichen Stil des Blogs. Immerhin gelingt dem Autor “MedienGuerilla” keine echte Diskriminierung, denn glücklicherweise differenziert das WWW bis auf wenige Ausnahmen (DocCheck) nicht nach Berufsträgern.





Andere Länder, andere Behördenwebsites

31 03 2008

Sie finden den Internetauftritt der meisten deutschen Behörden wenig ansprechend und recht trist gestaltet? Dann schauen Sie sich doch einmal die fröhlich-bunte Website der Korea Food & Drug Administration an. Die sieht fast so aus, als wenn der Webdesigner mit den entsprechenden Mittelchen versorgt worden wäre, die diese Behörde zu überwachen hat…





Neues aus den Referrern - Teil I

17 02 2008

Es ist schon erstaunlich, mit welchen Suchworten die Einträge dieses Blogs gefunden werden. In loser Reihenfolge werde ich daher dem Beispiel diverser Blogs folgen und einige “Highlights” aus den Referrern vorstellen. In den letzten Tagen zum Beispiel diese hier:

“callboy datenbank”
Dieses Blog ist zwar ein Gemischtwarenladen und keine reine Juristenwebsite, aber damit kann ich nun wirklich nicht dienen!

“staatsanwältin mit schlechtem examen”
Soll es auch geben. Bevorzugt wohl auf RTL & Co.

“wie kann man rausfinden wem die nummer gehört”
Einfach mal anrufen?

“extremmasturbation”
Mit so einem Stichwort wird dieses Blog gefunden? Pfui!

“liberale politische einstellung”
Die kann man mir wohl attestieren. Mit ein paar sozial-konservativ-demokratisch-christlich-marktgläubigen Einsprengseln.

“examen 2008 hessen”
Ich wünsche viel Erfolg und bin gespannt auf Eure Klausurberichte! Bloggt mal wieder jemand welche?

“vom heiligen römischen reich zur europäischen union”
Die EU hat aber (noch) keinen Kaiser, und mit den Grundfreiheiten war es zwischen Karl dem Großen und Franz dem Zweiten auch nicht so weit her.

“religionsfreiheit bafög-darlehen”
Der Zusammenhang ist mir neu. Könnte sich allerdings um eine Problematik des Zinsverbotes für islamische Studierende handeln. Oder?

“jobsuche eichsfeld”
Das wird nicht einfach. Schon gar nicht für Juristen. Gerade deshalb: Viel Glück!





Untervollmacht unerwünscht

31 01 2008

Heute morgen beim AG Soltau, Zivilabteilung: Ich bin in Untervollmacht dort, eine halbe Stunde zu früh da und erlebe eine freundlich-fröhliche Atmosphäre mit lauter Kleinstangelegenheiten. Der Richter ist gut aufgelegt, scherzt mit den Anwälten (Anwalt: <gähnt> “Entschuldigung, ich bin zu so früher Stunde noch etwas müde…”, Richter: “Soll ich das ins Protokoll aufnehmen?”), erzählt beim Warten auf die Parteien von seinen Urlaubsplänen und schildert einen seiner letzten Ebay-Fälle - statt eines Notebooks wurde ein Stück Holz verschickt.

Als “mein” Fall verhandelt wird und ich dem Richter meine Untervollmacht reichen will, weist er sie lachend zurück: “Davon wird doch nur die Akte dicker. Wenn Sie sagen, Sie sind bevollmächtigt, dann sind Sie für mich auch bevollmächtigt. So einfach ist das.”

Hoffentlich kann ich da bald mal wieder auftreten.





Sorgenfrei

15 08 2007

Der Polizeibeamte, der den Verkehrsunfall aufgenommen hat, trägt den schönen Namen Sorgenfrei. Das macht Mut für den weiteren Verlauf des Verfahrens.





Die juristische Methode

2 07 2007

Wie arbeiten eigentlich Juristen? Diese Frage ist so alt, wie Mandanten für rechtlichen Rat zur Kasse gebeten werden. Die ultimative Definition juristischer Tätigkeit stammt von Dr. Martin Wesch aus Stuttgart: “Die juristische Methode besteht darin, unbestimmte Rechtsbegriffe durch andere unbestimmte Rechtsbegriffe zu ersetzen und dann so zu tun, als sei alles klar.”

Die überwiegend naturwissenschaftlich vorgebildete Zuhörerschaft auf der Fortbildung hat dieses Bonmot mit Wohlwollen aufgenommen. Ihr war schließlich schon immer klar, daß Juristen (ähnlich wie Absolventen anderer geistes- und sozialwissenschaftlicher Fächer) mit Taschenspielertricks und Scharlatanerie das Geld ernsthaft arbeitender Leute stehlen.





Hamburger Zuverlässigkeit

5 06 2007

In einem Hamburger Branchenmagazin lese ich gerade, was den Hamburger Kaufmann von den Kaufleuten anderer Herkunft unterscheidet:

“Ein Hamburger Kaufmann und ein fremder Geschäftsmann versprechen beide ihre Schwiegermutter - doch der Hamburger liefert auch!”

Wenn das nur bei allen Lieferanten so wäre…





Anspruch entstanden?

13 04 2007

Der Beamte, der beim Personalmanagement anruft, ist ganz begeistert. Endlich einmal habe der Staat mitgedacht, für Leute in seiner Situation wäre es schließlich schon schwer genug. Seit der Trennung von seiner Frau sei es ihm nicht nur emotional, sondern auch finanziell schlecht gegangen. Und deshalb wolle er diese zusätzliche Unterstützungsleistung nun gleich beantragen - das Trennungsgeld.





Die Kunst des Rechtsverdrehens

8 03 2007

Der Begriff Rechtsverdreher wird zumeist als Schimpfwort für Rechtsanwälte verwendet, gegen die man einen Prozeß verliert - natürlich stets aus völlig unverständlichen Gründen, vielleicht auch nur deshalb, weil der Gegenanwalt den Richter kennt (immerhin haben sich die beiden vor Prozeßbeginn gegrüßt, das ist ja schon mal ein schlechtes Zeichen). Rechtsverdreher rangiert damit ungefähr in der sprachlichen Kategorie, in der sich auch der Paragraphenreiter, der Winkeladvokat und der Gebührenschneider befinden.

Dennoch hat es eine findige norddeutsche Anwaltskanzlei vollbracht, den derart negativ konnotierten Begriff des Rechtsverdrehers positiv umzudeuten und auf einer eigenen Internetseite als Werbung zu nutzen:

“Die Kunst des >Rechtsverdrehers< liegt nun keineswegs darin, die festgeschriebenen Gesetze zu verdrehen, das kann er gar nicht. Ein guter Rechtsanwalt wird vielmehr sorgfältig prüfen, ob und welche Gesetze auf den ihm von seinem Mandanten geschilderten Sachverhalt Anwendung finden. Er wird ermitteln, ob nach der bestehenden Rechtsprechung unterschiedliche Möglichkeiten der Auslegung der maßgeblichen Gesetze gegeben sein können. So kann er schon im Vorfeld für seinen Mandanten möglichst viel Rechtssicherheit schaffen und ihm eine verläßliche Beurteilung seiner Prozessaussichten ermöglichen.”

Das nennt man wohl eine Auslegung contra verbum.





Anwälte in Vulkane werfen

1 02 2007

…heißt ein Blog, das hier zu finden ist. Die Blogeinträge beschäftigen sich mit Nerdzeug wie z.B. dem Google-Algorithmus, haben aber (jedenfalls soweit ich geblättert habe), keinen rechtlichen Inhalt. Einen Hauch von Ironie findet man allerdings im Impressum, in dem es lakonisch heißt:

“Sollten Sie uns abmahnen wollen, senden Sie die Abmahnung bitte direkt an trash@anwaelte-in-vulkane-werfen.de”

Nur gut, daß es in Deutschland nicht allzu viele Vulkane gibt.





“Starte jetzt deine Karriere”

21 01 2007

…steht in der Betreffzeile der Mail, die mich gerade erreicht hat. Das ist interessant, denn mit dem Referendariat endet in diesen Wochen wieder einmal ein Lebensabschnitt, ohne daß ich bisher wüßte, wohin die Reise in den nächsten Monaten geht. Auch wenn es sich also mutmaßlich um eine Werbemail handelt, klicke ich dennoch neugierig hin.

Und was ich jetzt lese, läßt mich fast den Sonntagskaffee über den Bildschirm prusten:

“Guten Tag,

haben Sie schon etwas von der lukrativen Verdienstmöglichkeit EROTIKDARSTELLER/MODEL gehört?”

Natürlich habe ich davon gehört. Ich vertrete zwar nach wie vor die These, daß Sexualität in unserer Gesellschaft völlig überbewertet wird, bin aber auch nicht völlig von vorgestern.

Allerdings frage ich mich, wie mit dieser Masche Geld verdient wird. Die wenigsten angemailten Personen dürften sich körperlich oder psychisch wirklich für diese Tätigkeit eignen, von der moralischen Seite mal ganz abgesehen. Wahrscheinlich geht es also wieder einmal darum, irgendwelchen Ahnungslosen eine “Gebühr” für irgendeine wertlose Registrierung o.ä. “Services” abzunehmen. Andererseits, soetwas wie den “Pornoanwalt” gibt es vielleicht noch nicht, das wäre doch auch eine Geschäftsidee…

Lust, auf den unvermeidlichen Weblink zu klicken, habe ich jedenfalls nicht.