Schiller in the Law Firm
18 12 2006Manchmal gehört es auch zum Job, dem amerikanischen Partner deutsche Literatur zu übersetzen:
„Nein, eine Grenze hat Tyrannenmacht, | wenn der Gedrückte nirgends Recht kann finden, | wenn unerträglich wird die Last – greift er | hinauf getrosten Mutes in den Himmel, | und holt herunter seine ew’gen Rechte, | die droben hangen unveräußerlich | und unzerbrechlich wie die Sterne selbst - | Der alte Urstand der Natur kehrt wieder, | wo Mensch dem Menschen gegenübersteht – Zum letzten Mittel, wenn kein andres mehr | verfangen will, ist ihm das Schwert gegeben – | Der Güter höchstes dürfen wir verteid’gen | gegen Gewalt [...]“
Der amerikanische Jurist erkennt im Wilhelm Tell naturrechtliche Formulierungen wieder, die so oder ähnlich auch in der amerikanischen Verfassung stehen. Und der Deutsche erinnert sich an Art. 20 IV GG.
Regierungen beiderseits des Atlantik hören diese Worte häufig nicht allzu gern. Über die Jahrhunderte stellen sie jedoch ein verbindendes Element Europas und Amerikas dar. Angesichts vielfältiger Bedrohungen der Freiheit lohnt es sich auch heute, für die Werte der Aufklärung einzustehen.
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