Am gestrigen Abend war Matti Anttonen, Gesandter der finnischen Botschaft in Washington, zu Gast im International Student House. Finnland hat zur Zeit die EU-Ratspräsidentschaft inne, die Deutschland zu Beginn des kommenden Jahres übernehmen wird.
Zunächst schilderte Antonnen, wie sehr er seinen Beruf liebt, der zugleich eine besondere Herausforderung darstelle: nicht so sehr für die Diplomaten, sondern ihre Familien. Sie müßten häufig in neue Länder umziehen. Dann erklärte er, daß es in der Diplomatie häufig viel emotionaler und menschlicher zugehe, als dies in Lehrbüchern und Zeitungen beschrieben werde. Diplomatie bestehe zum Großteil aus der Suche nach Lösungen.
Finnland als kleines Land am Rande der Europäischen Union habe sehr von der europäischen Einigung profitiert und gestalte diese nun mit. Ein Schwerpunkt der finnischen Ratspräsidentschaft sei die Vorbereitung der Aufnahme der künftigen Mitgliedsstaaten Rumänien und Bulgarien gewesen. Auch die Verhandlungen mit der Türkei sowie die Ausarbeitung neuer Abkommen über den Umwelt- und Klimaschutz stünden auf der finnischen Agenda. Mit den Krisenherden Iran und Nordkorea seien aber auch aktuelle Entwicklungen ins Zentrum der finnischen Diplomatie gerückt. Allerdings habe die EU keine militärischen Möglichkeiten, darauf zu reagieren. Dafür sei eher die NATO zuständig, in der Finnland als neutraler Staat aber kein Mitglied sein wolle.
Auf eine durchsetzungsfähige deutsche Ratspräsidentschaft hoffe man dann bezüglich des zur Zeit auf Eis liegenden Verfassungsgebungsprozesses. Dieser Wunsch kann auch aus deutscher Sicht nur unterstützt werden.


