Lang ist’s her, das Staatsexamen

Es ist schon so lange her, mein zweites Staatsexamen. Die Klausuren habe ich im Herbst 2006 geschrieben, aber noch immer zählen die Blogeinträge mit meinen Klausurberichten zu den am häufigsten abgerufen Artikeln. In diesen Tagen läuft gerade wieder ein Examensdurchgang in Hessen, der heute in die zweite Runde geht, und natürlich drücke ich allen Referendarinnen und Referendaren beide Daumen!

In diesem Durchgang gibt es wohl eine gewisse Ähnlichkeit zu meinen alten Klausurbeschreibungen, weshalb mich in der letzten Woche eine freundliche Referendarin kontaktierte und nach Details zu meinen damals geschriebenen Klausuren fragte. Dazu konnte ich allerdings nur wenig sagen, denn ich habe nach viereinhalb Jahren den Inhalt der Aufgaben und meiner Lösungen größtenteils vergessen.Das sehr freundliche Telefonat war allerdings der Anlass, erstmals nach der Examenszeit wieder meine alten Blogartikel zu lesen.

Ich warne nach wie vor davor, meine Beschreibungen der damaligen Aufgaben und Lösungen allzu ernst zu nehmen. Zunächst handelt es sich um alte Aufgaben. Die Klausursituation kann heute eine ganz andere sein, und die Probleme sind auch bei ähnlichen Aufgabenstellungen niemals völlig identisch. Landrichter Kaiser aus Lübeck, bei dem ich einige Examensseminare besucht hatte, nannte das einmal das Carpaccio-Gazpacho-Problem: es klingt ähnlich, schmeckt aber ganz anders.

Weiterhin ist alles andere als sicher, dass meine damaligen Ideen zur Lösung brilliant oder auch nur durchschnittlich in Ordnung waren – vielleicht hatte ich mit der Bewertung auch einfach nur Glück. Deshalb eignen sich die Blogartikel zwar immer noch für einen ersten Eindruck, wie eine Klausur im 2. Juristischen Staatsexamen aussehen kann, aber eben auch für nicht mehr.

Meine persönliche Empfehlung für die Examensvorbereitung: Klausuren schreiben, Klausuren schreiben, Klausuren schreiben… Nichts gibt einem mehr Sicherheit als das regelmäßige Üben im Klausurenkurs des Ausbildungsgerichtes. Die dort ausgegebenen Aufgaben sind häufig Originalklausuren und werden zumeist von echten Prüfern korrigiert. Außerdem gibt es ein individuelles Feedback. Das fällt am Anfang oft unterdurchschnittlich aus, aber das sollte niemanden entmutigen.

Und wer trotzdem die alten Klausurberichte hier im Blog sucht und nicht findet: rechts oben gibt es eine Suchfunktion, dort kann man z.B. das Stichwort “Klausur” eingeben.

Noch ein Wort zum Schluss: Mich wundert, dass nicht viel mehr Examenskandidaten ihre Klausurerfahrungen “verbloggen” oder z.B. in Foren veröffentlichen. Dies kann auch anonym oder unter Pseudonym geschehen. Entgegen mancher früherer Befürchtungen kann ich mich jedenfalls nicht daran erinnern, dass mir die Veröffentlichung der Klausurberichte irgendeinen Nachteil gebracht hätte – im Gegenteil.

Eine Antwort zu Lang ist’s her, das Staatsexamen

  1. Schlimme Erfahrungen verdrängt der Mensch halt gerne, der angehende Volljurist natürlich auch ;)

    Ich finds auch sehr schade im Ergebnis. Diese Transparenz, die man mit einem Überblick bekommen könnte, wäre traumhaft. Dazu dann noch ausgiebige fachliche Diskussionen im Anschluss, da würden wohl auch die armen Prüfer vom JPA strahlen bei soviel Beschäftigung mit der Materie.

    Die Realität sieht nun aber anders aus. Die nächste Klausur ist immer die schwerste und die letzte liegt immer weit weg. Die geistigen und körperlichen Anstrengungen für die 2 Wochen Examenschreiberei wiegen zudem oft zu hart. Nach den schriftlichen Klausuren im ersten hab ich auch 1-2 Monate mit nicht juristischer Beschäftigung gebraucht, um “runterzukommen”. Wer da noch die Muße zum regelmäßigen Bloggen hat, verdient Respekt.

    Dazu kommt bei Referendaren noch hinzu, dass sie über ihre Stationstätigkeit oftmals so wenig äußern können, dass das ein reines StEx-Blog bzw. “Klausuren”-Blog werden würde. Das ist dann eine herbe Verkümmerung der Darstellung der Freuden des Vorbereitungsdiensts. Gerade die StA-Station und die Verwaltungsstation bieten doch so viele neue Eindrücke, aber welcher hat schon den Mumm sowas kontinuierlich und gegebenenfalls dienstrechtlich durchzufechten?

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