Ganz andere fachliche Perspektive

9 09 2008

„Im Kontakt mit meinen acht Rechtsbrechern war es mir immer wichtig, dass wir in ansprechender Umgebung mit einem leckeren Frühstück in den Tag gestartet sind. Der Wohngruppenvollzug, wie ihn das BVerfG in seiner Entscheidung fordert, bietet deshalb eine hervorragende Gelegenheit, mit dem gemeinsamen Essen und Trinken bei den Straftätern ein Gefühl dafür aktivieren zu können, dass die nächsten Minuten etwas Schöneres als Gewalt beinhalten müssten. Und was gibt es Schöneres, als bei viel Cola und bei ganz viel Schokolade schwärmerische Liebesbriefe zu schreiben? Pakete mit Nahrungs- und Genußmitteln müssen sein. Strafgefangene sind zunächst einmal unersättlich. Straftäter hungern danach, von ihrer liebenswerten Seite her wahrgenommen zu werden. In einer Justizvollzugsanstalt bewirtete mich ein Straftäter mit einer Kanne frisch aufgebrühtem Kaffee. Bei einem Begleitausgang bugsierte mich ein Straftäter fürsorglich mit meinem geschwollenen, blauen Auge in die Apotheke, weil mich ausgerechnet in der Nacht zuvor Stechmücken gepiesackt hatten. Den höchsten Vertrauensbeweis aber erhielt ich, als mir meine Jungs ihre Strafurteile mit den 212 oder 211 Ketten zuschickten oder mir von ihren Straftaten erzählten.“

Auszug aus Bollinger: Jugendstrafvollzugsgesetz: Neue Gesetze – neue Perspektiven?, ZRP 6/2008, 195, 196.

Die so ganz andere fachliche – und zugleich menschliche – Perspektive auf jugendliche Strafgefangene ist erhellend. Trotzdem bin ich sehr froh, mich überwiegend mit dem Zivilrecht zu beschäftigen.





Ich muss breaken

8 09 2008

Die Kollegin verzieht das Gesicht. Auf der Einladung einer größeren Kanzlei, die sie gerade bekommen hat, gibt es keine Kaffeepause mehr, sondern einen „Blackberry Break„.

Glaubt irgendeiner der Organisatoren ernsthaft, dass eine solche Ansprache besonders einladend wirkt?





Integrationsfähig

8 09 2008

Meine Tendenz, in Städten mit den Anfangsbuchstaben W zu studieren oder zu arbeiten, setzt sich gerade fort. Seit einer Woche arbeite ich im oberbayerischen Wolfratshausen.

In einem der Vorstellungsgespräche zu meiner neuen Stelle fragte man mich, ob ich in Bayern überhaupt integrationsfähig sei. Nach einer Woche im neuen Job kann ich eine erste Zwischenbilanz ziehen:

  • Das „Grüß Gott“ habe ich mir, in bester Erinnerung an meine Studienzeit in Wien, schon in der ersten Woche wieder angewöhnt. Ich mag regionale Ausdrucksweisen – ebenso gern sage ich zuhause den ganzen Tag über Moin, oder grüße in Berlin mit säuerlichem Gesichtsausdruckauch mal gar nicht.
  • Seit ein paar Tagen fahre ich die Strecke zur und von der Arbeit über den Mittleren Ring entspannt ohne Navi. Die sich anschließende A 95 mit ihren vielen alten Bäumen im Münchner Süden ist meiner Ansicht nach eine der schönsten Strecken in Deutschland. Noch sind in Bayern Schulferien – ab nächster Woche, so haben mir die Kollegen glaubhaft versichert, würde ich für den täglichen Weg zur Arbeit mindestens fünf Stunden, eine Tankfüllung Benzin und zwei Packungen einer hauseigenen Psychopharmaka-Produktion benötigen. Au weia.
  • In der Kantine bestelle ich mit Freuden Schweinebraten mit Knödeln und Blaukraut. Herrlich rustikal im Geschmack, schlecht für Figur und Cholesterinspiegel. Eben typisch bayerisch.
  • Heute habe ich den ersten geschäftlichen Termin auf dem Oktoberfest in meinen Kalender eingetragen.

Ich glaube, integrationsmäßig bin ich auf einem guten Weg. Weitere Einträge in der neuen Kategorie „Bayern“ werden folgen. Servas!





Stud. iur. im geschäftlichen Verkehr

1 09 2008

Zu meinem Artikel über die verschiedenen juristischen Berufsbezeichnungen kommentierte heute ein Leser:

„Also das mit dem stud. iur. werde ich nach Studienbeginn dann auch, wenn erforderlich, im geschäftlichen Verkehr verwenden.

Denke das könnte in bestimmten Situationen von Vorteil sein :-)

Ich glaube, eher nicht.