Monatsarchiv: Oktober 2007

Selbstversuch

Wir machen in unserem kleinen Unternehmen zwar keine klinischen Studien, aber heute habe ich mal einen Selbstversuch mit einem (für uns) neuen Nahrungsergänzungsmittel gewagt: heute morgen zum ersten Mal in einer Probecharge in der Kapselmaschine produziert, heute nachmittag schon im Magen des Justitiars.

Die Kapsel schmeckte zwar nach nichts, klebte aber immerhin nicht am Gaumen und ließ sich gut schlucken. Über solche galenischen Eigenschaften können sich Apotheker stundenlang unterhalten. Das ist überhaupt das Schöne am juristischen Dasein: Man lernt eine Menge aus ganz anderen Bereichen, je nachdem, für wen man arbeitet. Allerdings steigt mit der Lernkurve auch das Risiko, sich strafende Blicke von der besten aller Freundinnen einzufangen, wenn man neben ihr in der Drogerie steht und mit hochgezogener Augenbraue bemerkt: “Du willst doch nicht ernsthaft eine so schlecht abgefüllte Tube Handcreme kaufen?”

05

Ein norddeutsches Landgericht terminiert für 9.05 Uhr. Und bestätigt (vielleicht auf Nachfrage des Gegners?) zwei Wochen später nach der Terminsladung nochmals explizit, daß der Termin um fünf nach neun beginnt.

Ist ja schon schlimmer als bei manchen Anwälten.

Sprachlich ausgezeichnet

Daß die Niederländer im Allgemeinen recht polyglott sind, ist bekannt. Daß das allerdings auch auf die niederländischen Behörden zutrifft, wußte ich bisher nicht. Tatsächlich aber akzeptieren die für die Zulassung von Arzneimitteln und die Überwachung von Medizinprodukten zuständigen Stellen im niederländischen Königreich Anträge und Dossiers nicht nur in niederländischer und englischer, sondern auch in deutscher Sprache. Ein solches Bemühen ist nicht nur hinsichtlich des europäischen Geistes vorbildlich, sondern auch ein echter Standortfaktor für die niederländische Wirtschaft.

Kein Verkaufsfaktor

Ein deutsches Verlagshaus schreibt mich unter meiner Firmenadresse in “Buchholz, Germany” an und bewirbt ein naturwissenschaftliches Blättchen. Gleichzeitig informiert es mich, dass der, die oder das ISI (was immer sich dahinter verbergen mag) dieser Postille nun schon zum dritten Mal hintereinander einen höheren Impact Factor zugesprochen habe und ich dieses superwichtige Organ nun unbedingt auch beziehen müßte. Schließlich habe dies das wissenschaftliche Ansehen der Zeitschrift “enorm gesteigert”.

Liebe Freunde aus dem Verlagswesen: Ich kenne Euer Blatt nicht, und ich weiß auch nicht, warum ein wie auch immer von wem auch immer berechneter Impact Factor mich dazu bewegen soll, daß sich das ändert. Wenn Ihr ein interessantes Blatt habt, dann schickt mir ein Probeexemplar, und wenn es für meinen Job wichtige Informationen enthält, gibt es eine gewisse Chance, daß das Unternehmen es abonniert. Akademisches Schaulaufen mit irgendwelchen Faktoren hilft mir aber überhaupt nicht weiter – schließlich leben NJW, JZ, GRUR usw. seit Jahrzehnten sehr gut ohne statistische Erbsenzählereien.

Work hard, party hard

Unter all den Vertragsentwürfen, Gerichtsmitteilungen, Versicherungs- und Behördenschreiben, Fachzeitschriften und was sonst noch so über meinen Schreibtisch geht versteckt sich auch die ein oder andere Perle. So werde ich gerade über die “Paragraphenreiter-Party (Jura meets Polo)” (sogar mit ph, wie sich das gehört – aber warum eigentlich nicht “Law meets Polo“?) im Hamburger H1 Club am 12. Oktober informiert.

Dann mal den Kragen stärken und hochklappen? Nein, vielleicht doch nicht. Denn die arbeitende Bevölkerung ist bestimmt nicht die Zielgruppe für derartige Amüsements, und am Samstag geht es früh raus, da ich das komplette Wochenende im schönen Göttingen verbringen werde. Dort sitze ich dann im Tropenzentrum der Universität, was nach Wärme und Dschungel und exotischen Tieren klingt, aber wohl doch nur schnöde Verwaltungsarbeit für das Promovierendennetzwerk THESIS bedeutet. Sind ja auch irgendwie exotische Tiere, diese Doktoranden. Und ein bißchen gefeiert wird am Samstagabend bestimmt auch. Jura meets Vogelspinne, oder so ähnlich.

Unerwartetes Wiedersehen

Kürzlich Termin vor dem Landgericht Koblenz. Ich kenne in Koblenz genau einen Menschen, nämlich einen ehemaligen Kommilitonen, der dort seit einigen Monaten als Verwaltungsrichter arbeitet. Als ich aus dem Taxi steige, steht eben dieser Richter vor dem Gericht und wundert sich, was ich denn wohl in Koblenz tue. Sehr schöner Zufall, sehr nette Begegnung, davon bitte zukünftig mehr.