Bewerbungsmarathon

27 03 2007

In diesem Blog ist es seit dem Examen etwas stiller geworden als sonst. Das hängt allerdings nicht damit zusammen, daß in meinem Leben so wenig passieren würde - ganz das Gegenteil ist der Fall. In der laufenden Bewerbungsphase nutze ich die Gelegenheit, Unternehmen und Kanzleien in ganz Deutschland kennenzulernen, und es ist spannend zu sehen, wie unterschiedlich die Akteure auf dem Gesundheits- und Gesundheitsberatungsmarkt diesen einschätzen und sich auf den hochgradig regulierten Wettbewerb einlassen. Interessant ist auch, daß ich manchmal mit hunderten von anderen Bewerbern auf eine ausgeschriebene Stelle konkurriere, in anderen Fällen dagegen Unternehmen gezielt an mich herantreten und mich kennenlernen wollen.

Ebenso auffällig und für mich durchaus unerwartet ist, daß dem ersten Gespräch (mit der Personalabteilung, der Geschäftsführung oder den Partnern der Kanzlei) zumeist weitere folgen. Bisher war ich davon ausgegangen, daß für die Einstellung von Berufseinsteigern ein einziges Bewerbungsgespräch den Standard darstellen würde. Offensichtlich wird aber auch bei Absolventen inzwischen sehr genau geschaut, wen man sich ins Unternehmen holt und ob der- bzw. diejenige ins Team paßt. Generell sollte man den “Nasenfaktor” nicht unterschätzen, denn was nützen die schönsten Qualifikationen, wenn es ganz unterschiedliche Vorstellungen vom Geschäft und der täglichen Zusammenarbeit gibt?





W-W-Warten

15 03 2007

Die beste Freundin von allen will mich heute abend in der Stadt treffen, in der sie wochentags arbeitet. Ich habe zugesagt, bin mit der Bahn angereist und saß zum vereinbarten Treffpunkt in der vereinbarten Kneipe. Das war vor dreieinhalb Stunden. Ausgerechnet heute dauert die Arbeit länger, jeweils im halbstündigen Abstand “nur noch zehn Minuten”.

Glücklicherweise gibt es hier WLAN.





Zitat des Tages

13 03 2007

“Das Internet ist so etwas wie eine offene Form der geschlossenen Anstalt.”

Elias Schwerdtfeger. Gefunden im Blogs!-Blog, Kommentar Nr. 17.





Reden im Radio

12 03 2007

Den Text meines heutigen Radiointerviews hat der Deutschlandfunk inzwischen transkribiert und online gestellt. Es ist doch einigermaßen erschreckend zu sehen, wie wenig ich heute trotz (oder wegen?) aller Konzentration grammatikalisch korrekt und druckreif gesprochen habe. Dennoch bin ich natürlich froh, daß Thesis ein paar Minuten Sendezeit bekommen hat, um seine durchaus zwiegespaltene Position zum Bologna-Prozeß darzustellen. Interessant ist dabei, daß ich die Überschrift (”Wir sind auch dagegen!”) so niemals gesagt habe, da die Mitglieder von Thesis dem Konzept von Graduiertenschulen zwar kritisch, aber nicht vollständig ablehnend gegenüberstehen. Meine Freude darüber, in dieser Debatte öffentlich wahrgenommen zu werden, kann das allerdings nicht schmälern.





Rechtsdurchsetzung? Nein, danke!

12 03 2007

Der Seeheimer Kreis, eine ansonsten ernstzunehmende Vereinigung innerhalb der SPD, hat zum Thema Rauchverbot im Bundestag eine recht eigenwillige Pressemitteilung herausgegeben. Am Schluß heißt es u.a.:

“Die [...] Möglichkeit, das Rauchverbot mit Gewalt durchzusetzen, lehnen wir ab.”

Wäre ja auch noch schöner, wenn für den deutschen Parlamentarier das Gleiche gelten würde, was der Rechtsunterworfene zweiter Klasse (also der normalen Bürger) akzeptieren muß: nämlich daß geltende Gesetze im Regelfall auch durchgesetzt werden - durch Richter, Gerichtsvollzieher, Polizisten, Ordnungsbeamte usw.

Die ganze Geschichte gibt es im Tagesschau-Blog.





Kostenlose Kaiser-Skripte

12 03 2007

Die Skripte des Repetitoriums Kaiser in Lübeck eignen sich gut zur Vorbereitung auf das 2. Staatsexamen. Während die “großen” Skripte inzwischen im Luchterhand Verlag erscheinen, können einige kleinere “Häppchen” und abgelegenere Themengebiete kostenlos bei der Jurawelt heruntergeladen werden.





Virtuelles Streiten

12 03 2007

“Versuchen Sie nie Konflikte per E-Mail zu lösen. Wir haben in der Vergangenheit viele Beispiele dafür, dass die Situation dann eskaliert und es zu wahren E-Mail-Schlachten, den so genannten Flame-Wars kommt, weil unüberlegt Antworten zurückgepfeffert werden. Hier ist das erste, dass man den persönlichen, direkten Kontakt sucht und zum Telefonhörer greift.”

Dieses Phänomen dürfte jeder kennen, der mindestens eine typische Mailingliste abonniert hat. Allerdings hat man oft die Telefonnummer desjenigen nicht zur Hand, auf den man antworten möchte - erst recht, wenn statt Realnamen Pseudonyme verwendet werden. Was Guido Hertel, Professor für Arbeits-, Betriebs- und Organisationspsychologie an der Universität Würzburg im FAZ.net ansonsten über Arbeitsprozesse in virtuellen Teams zu berichten hat, dürfte auch auf Blogs übertragbar sein.





Strukturiertes Promotionsstudium?

12 03 2007

Wer sich für den Bologna-Prozeß und das Thema “Strukturiertes Promotionsstudium” interessiert, sollte heute nachmittag ab 14.35 Uhr die Sendung Campus & Karriere im Deutschlandfunk einschalten. Neben einer Initiative der Technischen Universitäten zum Erhalt der klassischen Promotion in den Ingenieurswissenschaften werde ich ein kurzes Interview geben und darin die Position des Promovierendennetzwerkes Thesis darstellen.





Die Kunst des Rechtsverdrehens

8 03 2007

Der Begriff Rechtsverdreher wird zumeist als Schimpfwort für Rechtsanwälte verwendet, gegen die man einen Prozeß verliert - natürlich stets aus völlig unverständlichen Gründen, vielleicht auch nur deshalb, weil der Gegenanwalt den Richter kennt (immerhin haben sich die beiden vor Prozeßbeginn gegrüßt, das ist ja schon mal ein schlechtes Zeichen). Rechtsverdreher rangiert damit ungefähr in der sprachlichen Kategorie, in der sich auch der Paragraphenreiter, der Winkeladvokat und der Gebührenschneider befinden.

Dennoch hat es eine findige norddeutsche Anwaltskanzlei vollbracht, den derart negativ konnotierten Begriff des Rechtsverdrehers positiv umzudeuten und auf einer eigenen Internetseite als Werbung zu nutzen:

“Die Kunst des >Rechtsverdrehers< liegt nun keineswegs darin, die festgeschriebenen Gesetze zu verdrehen, das kann er gar nicht. Ein guter Rechtsanwalt wird vielmehr sorgfältig prüfen, ob und welche Gesetze auf den ihm von seinem Mandanten geschilderten Sachverhalt Anwendung finden. Er wird ermitteln, ob nach der bestehenden Rechtsprechung unterschiedliche Möglichkeiten der Auslegung der maßgeblichen Gesetze gegeben sein können. So kann er schon im Vorfeld für seinen Mandanten möglichst viel Rechtssicherheit schaffen und ihm eine verläßliche Beurteilung seiner Prozessaussichten ermöglichen.”

Das nennt man wohl eine Auslegung contra verbum.





Judge Judy

6 03 2007

Judith Sheindlin, besser bekannt als Judge Judy, ist das amerikanische Pendant zur deutschen Fernsehrichterin Barbara Salesch. Gemeinsam ist beiden nicht nur der Beruf, sondern auch die Frisur und das lockere Mundwerk. Sheindlin ist gegenüber Klägern und Beklagten allerdings deutlich rabiater als ihre deutsche Kollegin und nimmt auch bei Kleinigkeiten, z.B. unpassender Kleidung der Parteien vor Gericht, kein Blatt vor den Mund. Die ehemalige Familienrichterin ist im Nebenberuf Autorin von populären Büchern mit so schönen Titeln wie “Don´t Pee On My Leg And Tell Me It´s Raining“, in denen sie den Werteverfall der amerikanischen Jugend und die angeblich zu laxe Haltung der Justiz gegenüber Straftätern beklagt.

Kleinere Fälle mit echten Beteiligten und einem Streitwert bis maximal 5.000 $ werden in Sheindlins Show vor großem Publikum innerhalb von zehn bis zwanzig Minuten abgehandelt, und viele davon kann man sich bei Youtube ansehen. Als typisches Beispiel mag ein zehnminütiges Stück über eine Rechtsmaterie dienen, die auch deutsche Amtsrichter häufig bewegt - der Ebay-Betrug:





DocMorris jetzt mit Filialen

5 03 2007

Das deutsche Apothekenrecht hält trotz Kritik aus den europäischen Nachbarländern nach wie vor am Leitbild des niedergelassenen Apothekers in seiner eigenen Apotheke fest, von wenig relevanten Ausnahmen wie Filial- oder Notapotheken einmal abgesehen. Apothekenketten sind ebensowenig erlaubt wie der Handel mit apothekenpflichtigen Arzneimitteln in Drogerien, weil der (über-)beschützende deutsche Staat dem kranken Konsumenten deutlich weniger Entscheidungskompetenz zutraut als z.B. der us-amerikanische Gesetzgeber dem Kunden einer Pharmacy. Begründet wird dies mit der Volksgesundheit - übrigens ein Begriff, der spätestens seit 1945 in die Mottenkiste der deutschen Rechtsgeschichte gehört hätte, an dem die deutsche Justiz jedoch seit dem Apothekenurteil des BVerfG unbeirrt festhält.

Das niederländische Unternehmen DocMorris versucht nun, das Mehrbesitzverbot von Apotheken zu umgehen, indem es parallel zum Internetversand “Partnerapotheken” einrichtet, in denen niedergelassene Apotheker zwar selbständig, aber ähnlich Franchise-Nehmern arbeiten. Alle Rabatte, die die niederländische Versandapotheke anbietet, dürfen diese aufgrund der Gesetzeslage jedoch nicht gewähren - jedenfalls noch nicht. Meine persönliche Einschätzung tendiert nämlich dazu, daß es auf diesem Markt in den kommenden Jahren noch einige Bewegung geben wird.





Amerikanisches Recht bei YouTube

2 03 2007

Während man in Deutschland oft das Gefühl hat, daß die Studierenden an der Universität den behördlichen Betrieb eher stören, kämpfen die amerikanischen Universitäten aktiv um den akademischen Nachwuchs. Die Cardozo Law School (mit einer z.Zt. etwas funktionsgestörten Website) aus New York hat das Videoportal YouTube als Marketingplattform entdeckt, und in kurzen Filmen stellen die Professoren ihre Rechtsgebiete vor. Das ist als kleiner Eindruck auch für den deutschen Juristen durchaus interessant. Gelungen ist z.B. der Beitrag von Prof. Justin Hughes, der die Grundlagen des Gewerblichen Rechtsschutzes darstellt und dabei erklärt, was sein Job mit Mickey Maus zu tun hat:





OpenOffice mit Macken

1 03 2007

Schon vor einiger Zeit habe ich (außer WinXP) sämtliche Microsoft-Produkte von meinem Rechner verbannt und bin auf Firefox, Thunderbird und OpenOffice umgestiegen. Einige Funktionen der freien Software sind besser, andere deutlich schlechter als beim Marktführer. Leider stürzt nicht nur Microsoft-Software, sondern auch das hochgelobte OpenOffice ab und an mal ab - wie ich gerade leidvoll erfahren mußte, auch auf einem frisch installierten System. Auf dem ich blöderweise vergessen habe, die automatische Speicherung zu aktivieren (die ich als vorgegeben erwartet hätte). Nimmt man dann noch die etwas schwierigere Bedienung des OpenOffice hinzu, ärgere ich mich inzwischen fast über den Wechsel. Aber jetzt geht es erstmal weiter. Bis zum Vortrag habe ich ja noch ein paar Stunden.





Abgesang auf eine Region

1 03 2007

In meiner Heimat gehen die Lichter aus. Das Dorf meiner Kindheit liegt ungefähr im rechten Winkel zwischen Varel und Nordenham, den beiden Airbus-Standorten, die das Sanierungskonzept des Konzerns mutmaßlich am schwersten treffen wird. Diese Entscheidung ist umso schlimmer, als daß die Region sowieso strukturschwach ist und mit Arbeitslosenzahlen ähnlich derer in den schlimmsten Regionen Ostdeutschlands zu kämpfen hat.

Meine vor zehn Jahren getroffene Entscheidung, den Ort meiner Kindheit für immer zu verlassen, stellt sich immer mehr als richtig heraus. Aber obwohl ich das Nordenhamer Airbus-Werksgelände lediglich aus einigen Versorgungsfahrten während meines Zivildienstes kenne und niemand aus meiner Familie von der Werksschließung auch nur mittelbar betroffen ist, tut mir der Niedergang der Region doch sehr weh. Und ein Konzept für eine Wiederbelebung dieser traditionell strukturschwachen Gegend ist weit und breit nicht in Sicht.