Antifa mal stylish

28 02 2007

Wer in Göttingen lebt, gewöhnt sich mit der Zeit an den militaristisch-direkten Stil der überall in der Stadt zu findenden Antifa-Plakate. In bester stalinistisch-miefiger Tradition wird die Ikonographie des Terrors benutzt, um für Kameradschaftsabende und je nach Anlaß gegen die Globalisierung, das Kapital, die internationale Ausbeuterverschwörung oder den fiesen deutschen Nazi-Beamten-Staat zu hetzen. Farblich bewegen sich die oft professionell layouteten und gedruckten Machwerke zumeist in Schwarz-Weiß-Rot und lehnen sich damit bewußt an die Farben bestimmter historischer Herrschaftssysteme (und, zufällig oder nicht, diverser Zigarettenmarken) an.

Geradezu erstaunlich modern wirken daher jene Plakate, die ich gerade in meiner Nachbarschaft entdeckt habe: In einem fröhlichen Hellrosa wirbt die Antifa derzeit für einen Anti-G8-Summit (was immer das sein mag) mit anschließender Party und - man höre und staune - Cocktail-Lounge! Auf die internationale Solidarität der Arbeiterklasse kann man jetzt also endlich auch stilvoll in der Chill-Out-Area mit Cuba Libre und Long Island Ice Tea anstoßen. Freundschaft!





Zu fett

28 02 2007

Schon seit längerem habe ich einige Kilos zuviel auf den Rippen. Allerdings erschüttert sogar einen stämmigeren Typen wie mich dieser Bericht über einen achtjährigen Engländer, der 100 kg wiegt. Ohne den Fall näher zu kennen, kann man natürlich nicht darüber urteilen, ob hier schon eine Kindesmißhandlung vorliegt. Immerhin befindet sich der Junge jetzt in medizinischer Behandlung.





Banküberfall mit Musik

27 02 2007

Mitten in einer belebten Wiener Einkaufsstraße hat heute ein Bankräuber mehrere Menschen als Geiseln genommen. Die Verhandlungen mit der Polizei dauerten mehrere Stunden an. Humor haben dabei die Anwohner bewiesen: Nach einer Meldung der Wiener Kronenzeitung beschallten sie den Tatort mit dem EAV-Hit “Ba, Ba, Banküberfall”.





BVerfG stärkt Pressefreiheit

27 02 2007

Auf der Seite des Bundesverfassungsgerichts ist die Entscheidung über die Durchsuchung der Redaktionsräume des Cicero noch nicht veröffentlicht. Spiegel Online hat allerdings in einer Eilmeldung bekannt gegeben, daß das BVerfG die Durchsuchung für verfassungswidrig erklärt und damit die Pressefreiheit gestärkt hat.

Nachtrag: Jetzt ist auch das Urteil online.





Wann ist das AGG anwendbar?

26 02 2007

Wann ist eigentlich das AGG anwendbar? Und in welchen Bereichen hat es überhaupt Auswirkungen? Wer sich mit dieser Materie noch nicht beschäftigt hat, findet auf der Seite Diversity Compliance eine anschauliche Übersicht im PDF-Format.





Wie geht es weiter nach dem Referendariat?

26 02 2007

Eine kleine Zusammenfassung interessanter Informationen und weiterführender Links rund um das Thema Arbeitsmarkt, Stellensuche, Juristengehälter und Bewerbungsstrategien ist im Forum der hessischen Rechtsreferendare zu finden.





Unqualifiziert

26 02 2007

Für das folgende Stellenangebot dürfte ich wohl unqualifiziert sein:

Stellenanzeige

Ist es außerhalb des südlichen Teilstaates üblich, auf Abschlüsse innerhalb des eigenen Tellerrands Wert zu legen?





Bestanden

23 02 2007

Nach 26 Monaten Referendariat bin ich gestern zusammen mit einer Kollegin und drei Kollegen ins Leben entlassen worden. Volljurist, Rechtsassessor, Ass. iur. - an diese Bezeichnungen muß ich mich erstmal gewöhnen.

Die Prüfung selbst hatte ein recht ordentliches Niveau (was für die spätere Punktevergabe aber offensichtlich nicht so schlecht war), mit deren Inhalten ich allerdings nicht gerechnet habe. Nach dem Aktenvortrag (ohne “Leiche”, aber mit einer starken Gegenansicht, gegen die ich mich verteidigt habe) ging es hauptsächlich um Mobiliarsachenrecht, später um die Freilassung der RAF-Terroristen (§§ 56, 57, 57a StGB) und den “Deal” im Strafprozeß am Beispiel des Falles Peter Hartz, gemessen an den Grundsätzen des Strafprozeßrechts. Der Höhepunkt war dann die Prüfung im Öffentlichen Recht, die im Kommunalrecht spielte. Zu prüfen war die Klage eines Magistratsmitglieds gegen die Verweigerung der Einsicht in die Unterschriftenlisten eines Bürgerbegehrens. Schön auch, wenn man in einer Prüfung mal wieder mit einer doppelt analogen Fortsetzungsfeststellungsklage konfrontiert wird.

Das Ergebnis war für fast alle Kandidaten erfreulich, auch wenn natürlich nicht alle Blütenträume erfüllt wurden. Und jetzt bin ich gespannt, welche Chancen ich auf dem Arbeitsmarkt habe.





Bayerische Bücherschänder

21 02 2007

Barbaren. Mehr fällt mir dazu nicht ein. Und PISA-Genörgel oder hochnäsiges Herziehen über den norddeutschen Bildungsstand möchte ich aus dem Freistaat auch nie wieder hören. Es ist ein Trauerspiel.

(Via Statler & Waldorf.)





Hört nicht auf die Berater

21 02 2007

“Ingenieurswissenschaften? Vergessen Sie´s, die Aussichten sind miserabel. Fast so schlimm wie die Ärzteschwemme.”

Berufsberatung einer norddeutschen Universität, 1996.

Im Deutschlandfunk bemüht sich soeben ein Verbandsfunktionär der Elektrotechnik händeringend um Ingenieursnachwuchs. Das Interesse für Technik soll schon in den Schulen geweckt werden.

Mein Rat an alle Studieninteressierten: Hört nicht auf irgendwelche Berater, denn wenn Ihr mit Eurer Ausbildung fertig seid, sieht die Welt sowieso ganz anders aus. Macht lieber Euer Ding und bringt für das, was Ihr tun wollt, eine gehörige Portion Interesse und langen Atem mit.





So soll es sein

20 02 2007

Es ist 18.34 Uhr, und der Vortrag steht. Sofern mir heute abend und morgen keine groben Schnitzer mehr auffallen, kann ich mich nun getrost dem Auswendiglernen guten Vortragsstil widmen. Der Fall ist recht dankbar, hat eine große “Kann-man-so-oder-so-entscheiden”-Komponente eingebaut und mich ganz zum Schluß (Zinsen, vorläufige Vollstreckbarkeit) noch einmal schön ins alte BGB und die alte ZPO geführt. Den Mittwoch kann ich also getrost mit Spaziergängen um den Kiessee verbringen und dabei wie einst der heilige Franziskus zu den Vögeln sprechen.





Die Akte für den Vortrag

19 02 2007

Seit heute arbeite ich an der definitiv letzten Akte meines Referendariats. Es handelt sich um die Aufgabe für den Aktenvortrag, der in Hessen noch bis Ende des Jahres in der Langform gehalten wird. Das bedeutet eine echte, mehrere Dutzend Seiten lange Akte und drei Tage Vorbereitungszeit.

Zum Inhalt der Akte darf ich, anders als bei den Klausuraufgaben, öffentlich nichts sagen. Einerseits ist es mir nämlich verboten, mit Dritten über den Fall zu reden, denn das könnte als Täuschungsversuch ausgelegt werden und zum Nichtbestehen des gesamten Examens führen. Andererseits könnte die Akte bis zur Einführung des Kurzvortrags nochmal ausgegeben werden, und eine bekannte Aufgabenstellung verzerrt möglicherweise die Prüfungsleistung.

Nur soviel: Die Akte ist gute 20 Jahre alt und damit geradezu taufrisch - wenn man bedenkt, daß immer noch Fälle aus den 1960er und 1970er Jahren ausgegeben werden. Sie spielt in einem illustren Nebengebiet des Zivilrechts und hat einige nette prozessuale Besonderheiten, scheint aber recht gut lösbar zu sein. Jedenfalls arbeite ich am Abend des ersten Bearbeitungstages schon an der Ausformulierung des Vortragstextes und habe in den nächsten Tagen noch genug Zeit, um in Ruhe mögliche Ungereimtheiten der Lösung aufzuspüren und am Vortragsstil zu feilen.

Und dann, am Donnerstagabend, wird mein Referendariat nach fast 26 Monaten vorbei sein. Trotz einiger Kritikpunkte ziehe ich insgesamt eine recht positive Bilanz der Ausbildung. Ich bin mit der Entscheidung für die Ausbildung in Hessen sehr zufrieden und würde wieder dorthin gehen. Doch vor der Sentimentalität ist noch ein einziges Mal volle Konzentration angesagt.





Erst essen, dann klagen

16 02 2007

Für mich der leckerste Leitsatz des Tages:

“Beißt der Besucher eines chinesischen Restaurants statt auf eine Erdnuss auf eine Kakerlake, so kann der Betreiber der Gaststätte zu einem Ordnungsgeld (hier in Höhe von 1000 Euro) herangezogen werden (Amtsgericht Rastatt, Az: 9 Cs 205 Js 1187/04).”

Weitere schöne Urteile gibt es in einer kleinen Übersicht gastronomischen Fallrechts beim Pizzalieferanten.





Blogger unter sich

16 02 2007

Das kleine, private Blawger-Treffen mit Alexander von jurabilis im 5 Flavor (unter Supervision der besten Freundin von allen) hat interessante Fragen aufgeworfen. Zum Beispiel, warum Blawgs mit der gleichen Zielgruppe ganz unterschiedliche Kommentatoren haben. Oder welche Vor- und Nachteile von Gemeinschaftsblawgs es gibt. Warum so wenige Frauen blawgen. Ob selbstgeschriebener Alltagscontent die Leser stärker interessiert als das Zitieren von Gerichtsentscheidungen oder woanders geklaute im Netz gefundene Medieninhalte. Außerdem ging es natürlich auch um die sich gerade akut aufdrängende Frage, ob die Bloggerei die Chancen auf dem Arbeitsmarkt versaut (einhellige Ansicht: nein!).

Habe ich etwas vergessen? Nach einem Gespräch von viereinhalb Stunden bestimmt. Aber eine Wiederholung soll es demnächst geben, gern auch in größerer Runde.





Alle an Bord?

13 02 2007

“Sehr geehrte Damen und Herren, hier eine Durchsage für an Bord befindliches Personal der Deutschen Bahn AG: Falls sich im Zug ein Lokführer befindet, kommen Sie bitte ins Dienstabteil in Wagen 6.”

Diese Durchsage hörte ich neulich im IC zwischen Osnabrück und Hannover. Und fragte mich, wer wohl gerade die Lok fuhr.