Monatsarchiv: Dezember 2006

Frohe Weihnachten und ein gutes neues Jahr!

Dies ist der letze Eintrag vor Weihnachten in diesem Blog. Morgen verlasse ich Washington, eine großartige Stadt in einem wunderbaren Land, und fliege zurück nach Deutschland. Ich bin dankbar für ein Jahr voller neuer Eindrücke mit netten Kollegen aus Kassel und ganz Hessen sowie für viele neue Freundschaften, die ich hier in den USA mit Menschen aus der ganzen Welt knüpfen konnte.

Natürlich freue ich mich ebenso über die vielen Leser dieses Blogs, die mir nach dem Wechsel auf die WordPress-Plattform treu geblieben sind und die mal kritisch, mal wohlwollend kommentieren. Ohne Sie und Euch wäre die Bloggerei nicht einmal halb so interessant!

Allen Leserinnen und Lesern wünsche ich ein frohes Weihnachtsfest oder anderweitige Happy Holidays sowie einen großartigen Start in ein glückliches und erfolgreiches neues Jahr!

Und jetzt ein bißchen Musik:

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Am deutschen Wesen…

Aus Deutschland hört man oft die Klage, daß amerikanische Gerichte sich für allzuständig hielten und die ganze Welt ihrem Rechtssystem unterordnen wollten. Dieser Befund ist bezüglich amerikanischer Gerichte oft nicht haltbar. Demgegenüber verspüren deutsche Richter offenbar manchmal den Drang, die ihnen geläufigen Normen auf die ganze Welt anwenden zu wollen. Dies beweisen zwei erst kürzlich ergangene Entscheidungen:

Ein amerikanisches Bundesberufungsgericht weigerte sich im Oktober, das Recht des Staates Illinois auf einen Badebetrieb auf den Bahamas auszudehnen. Die Argumentation ist sehr gut nachvollziehbar: Hotelbetreiber und Reiseveranstalter seien schlichtweg überfordert, wenn sie das (möglicherweise sogar gegensätzliche) Recht aller Herkunftsstaaten ihrer Gäste beachten müßten.

Das OLG Köln dagegen ist nach einem Bericht des law blog der Ansicht, daß die deutschen baurechtlichen Standards in aller Welt zu gelten hätten. Es verurteilte einen Reiseveranstalter zu einer Schmerzensgeldzahlung, weil ein alkoholisierter deutscher Gast von einem türkischen Hotelbalkon zu Tode stürzte. Nach deutschem Recht wäre die Balkonbrüstung zu niedrig gewesen, das türkische Baurecht läßt eine solche Höhe zu. Doch die OLG-Richter scherten sich nicht um türkische Normen, sondern orientierten sich allein an heimischen Maßstäben. Ob eine solche Rechtsprechung dazu führt, daß demnächst deutsche Bausachverständige und Sicherheitsexperten die Hotels dieser Welt begutachten, bleibt abzuwarten.

Smarter Anwalt

Wer hätte das gedacht: Es gibt zumindest einen smarten Anwalt in Deutschland. Mehr auf dieser Homepage.

Lächelnde Anwälte sind gefährlich

“Ernste Ärzte sind in den USA ein sehr, sehr schlechtes Zeichen, fast noch schlimmer als lächelnde Anwälte.”

Scot W. Stevenson erläutert in seinem wunderbaren USA-Erklärt-Blog wieder einmal kulturelle Unterschiede, diesmal zum Thema Humor. Einziges Manko: Man kann ihn aufgrund der noch immer deaktivierten Kommentarfunktion nicht einmal loben und ihm zu seinen unterhaltsamen Belehrungen gratulieren. Dies sei hiermit ausdrücklich nachgeholt!

Justizposse in Naumburg geht weiter

Auch ein weiterer Senat des OLG Naumburg ist offensichtlich nicht gewillt, einem Vater zum Sorgerecht für seinen leiblichen Sohn zu verhelfen. Nach sieben Jahren Verfahrensdauer und fünf (!) Entscheidungen des Bundesverfassungsgerichts im Sinne des Kindsvaters, eines ebenfalls zusprechenden Urteils des EuGH für Menschenrechte sowie eines laufenden Strafverfahrens gegen zuvor mit dem Fall befasste OLG-Richter wegen Rechtsbeugung vermag das Gericht laut Mitteldeutscher Zeitung “nicht zu erkennen, dass der leibliche Vater zurzeit schon in der Lage ist, das Sorgerecht zum Wohle Christofers auszuüben”.

Wie, wenn nicht durch sieben Jahre beharrlichen Kampf gegen die Mühlen der Justiz, soll ein Vater noch beweisen, daß er ein ehrliches Interesse am Wohlergehen seines Kindes hat? Auch hat sich noch kein bundesdeutsches Gericht derart beharrlich geweigert, den Grund- und Menschenrechten zur Geltung zu verhelfen. Man fragt sich inzwischen ernsthaft, ob das Land Sachsen-Anhalt erst das OLG Naumburg auflösen und an anderer Stelle mit anderem Personal neu errichten muß, um dem Recht endlich zur Durchsetzung zu verhelfen.

(Meldung gefunden im JurBlog.de)

Jurabilis non calculat?

Das momentane Ergebnis der aktuellen Umfrage bei jurabilis (rechte Spalte) verwundert doch sehr, zumal es keine Auswahloptionen jenseits von “Ja” oder “Nein” gibt:

Umfrage bei jurabilis

Schiller in the Law Firm

Manchmal gehört es auch zum Job, dem amerikanischen Partner deutsche Literatur zu übersetzen:

„Nein, eine Grenze hat Tyrannenmacht, | wenn der Gedrückte nirgends Recht kann finden, | wenn unerträglich wird die Last – greift er | hinauf getrosten Mutes in den Himmel, | und holt herunter seine ew’gen Rechte, | die droben hangen unveräußerlich | und unzerbrechlich wie die Sterne selbst – | Der alte Urstand der Natur kehrt wieder, | wo Mensch dem Menschen gegenübersteht – Zum letzten Mittel, wenn kein andres mehr | verfangen will, ist ihm das Schwert gegeben – | Der Güter höchstes dürfen wir verteid’gen | gegen Gewalt [...]“

Der amerikanische Jurist erkennt im Wilhelm Tell naturrechtliche Formulierungen wieder, die so oder ähnlich auch in der amerikanischen Verfassung stehen. Und der Deutsche erinnert sich an Art. 20 IV GG.

Regierungen beiderseits des Atlantik hören diese Worte häufig nicht allzu gern. Über die Jahrhunderte stellen sie jedoch ein verbindendes Element Europas und Amerikas dar. Angesichts vielfältiger Bedrohungen der Freiheit lohnt es sich auch heute, für die Werte der Aufklärung einzustehen.

Big Pharma

Wer hinter dem interessanten Blog mit dem Titel “Stationäre Aufnahme” steht, bleibt im Dunkeln. Der Autor bloggt unter dem Pseudonym strappato und bezeichnet sein Blog als Mülleimer: “Hier landen Gedanken und Informationen, die in meinem Job abfallen.” Dieser ist im Bereich “Big Pharma” angesiedelt. Eine interessante, oft kritische Stimme zur Pharmabranche und zum deutschen Gesundheitswesen.

Staatsbesuch

Im National Geographic Museum, dem Gebäude nebenan, befinden sich offenbar gerade wichtige Gäste. Die 17th Street ist mehrere Blocks lang für den Verkehr gesperrt, an der Straße stehen dutzende Polizisten und eine ganze Reihe Polizeimotorräder. Secret-Service-Leute mit langen Mänteln laufen auf und ab. Pakete dürfen in diesem Straßenabschnitt nicht mehr zugestellt werden, die Parkhäuser sind geschlossen und die Nachbargebäude des Museums nur noch eingeschränkt erreichbar. Glücklicherweise sind wir schon seit Stunden am Arbeitsplatz.

Nach einiger Zeit erscheint die Vorhut in Form von zwei schwarzen SUVs, etwas später rollt eine ganze Kolonne verschiedener beflaggter Limousinen nebst Begleitfahrzeugen, Krankenwagen, Pressefahrzeug etc. heran. Vor lauter Agenten ist allerdings nicht zu sehen, wer aussteigt und das Museum besucht. In den Medien ist noch nichts zu lesen, Gerüchte sprechen vom amerikanischen Präsidenten, vielleicht mit einem Staatsgast.

Das Weiße Haus ist zu Fuß übrigens keine 10 Minuten entfernt – welch ein Aufwand, welch ein Bedürfnis nach Sicherheit herrscht in diesen Zeiten. Frühere Präsidenten haben im Garten des Weißen Hauses unbekümmert Tennis oder Golf gespielt, der heutige Amtsinhaber kann sich nicht einmal in der amerikanischen Hauptstadt ungefährdet bewegen. Die Attentäter des 11. September und ihre Nachfolger demonstrieren selbst dann ihre Macht, wenn sie nicht einmal anwesend sind.

Nachtrag: Das Weiße Haus meldet, daß der Präsident von Benin sich heute mit George W. Bush getroffen hat. Möglicherweise haben beide nach der Pressekonferenz das Museum besucht.

Noch ein Nachtrag: Der Chef hat das Thema in einem launischen Blogeintrag ebenfalls aufgegriffen.

Die Christliche Botschaft

Fast alle Staaten der Welt besitzen diplomatische Vertretungen in Washington, D.C. Eine dieser Botschaften ist allerdings ganz besonders: die Christian Embassy. Streng genommen ist diese Organisation keine Botschaft, sondern eine Lobbygruppe. Ihre Arbeit, z.B. Handreichungen für Gebete am Arbeitsplatz, wöchentlich stattfindende Bibelkurse und Netzwerktreffen, stellt sie in einem interessanten Video dar.

Die Zielgruppe sind sowohl Abgeordnete als auch Beamte der Regierung, insbesondere des Präsidenten und des Pentagon. Auch Diplomaten fremder Staaten werden von der Christian Embassy betreut. Damit wendet sich diese Lobbygruppe gezielt an Funktionsträger, die intensiv mit dem christlichen Glauben (bzw. einer besonderen Richtung des Glaubens) vertraut gemacht werden.

Interessant ist in diesem Zusammenhang auch ein aktueller Beitrag aus der Washington Post: A Nation of Christians, Not a Christian Nation.

(Gefunden bei Et Cetera: Publick and Private Curiosities)