Referendar in Gefahr

30 11 2006

Die Schreibtischlampe, geschätztes Alter etwa 30 Jahre, geht heute abend nicht. Ich drehe an der Glühbirne herum - nichts passiert. Ist vielleicht das Stromkabel nicht richtig eingesteckt? Ich greife in Richtung Mehrfachsteckdose, fasse den Stecker an, will den Sitz prüfen - und greife in blanken Kupferdraht. Die Isolierung muß sich im Laufe der Zeit gelöst haben.

Es gibt einen recht lauten Knall, eine kleine Rußexplosion - und glücklicherweise keinen Stromschlag. Nicht einmal ein Kribbeln merke ich an der rechten Hand, die nur vom Ruß ganz schwarz geworden ist. Das Licht ist noch an, auch die Steckdosen funktionieren noch. Nur die Mehrfachsteckdose hat sich wohl in die ewigen Jagdgründe verabschiedet, und die Lampe wird morgen in der Wohnheimverwaltung abgeliefert. Da heißt es immer, Washington sei eine gefährliche Stadt,  aber die schlimmsten Unfälle passieren doch meist zuhause.





Fröhliche Referrer

30 11 2006

Suchmaschinen-Referrer können sehr aufschlußreich, teilweise aber auch kurios sein. Und manchmal wundert man sich, daß man mit solchen Begriffen überhaupt gefunden wird. Hier einige Highlights der letzten Zeit:

AGG Formulierungen Stellenanzeigen
Da dürfte ein Arbeitsrechtler sicher weiter helfen, denn: keine Rechtsberatung im Blog!

betrug examen wichtig
Noch wichtiger für´s Examen: Lernen, und üben, üben, üben…

Döner Recht Gesetz
Bin leider kein Spezialist für Döner-Recht. Gibt´s inzwischen den “Fachanwalt für Gammelfleisch”?

helloween kostümieren
Ja, das Halloween-Kostüm (mit a!) war auch mein Problem. Die freundlichen Verkäufer von Backstage, Inc. auf dem Capitol Hill helfen allerdings ganzjährig weiter. Ich war begeistert.

hochwasser washington
Wenn es hier regnet, regnet es heftig. Wie man das aus den einschlägigen Filmen kennt, wenn der Präsident mit finsterer Miene aus der schwarzen Staatskarosse steigt und ihm der Held, zumeist Geheimagent oder Marinesoldat, den Regenschirm hält und ihn über die neuesten Pläne der Schurken aufklärt. Glücklicherweise scheint aber zumeist am nächsten Tag wieder die Sonne, und der Potomac läuft auch nicht über.

Klausuren im Jurastudium
Muß man als Student leider schreiben. Ist nicht schön, trainiert aber für das Examen.

muster strafanzeige 266 stgb
Dafür braucht es kein Muster. Jede Staatsanwaltschaft oder Polizeidienststelle hilft gern weiter.

privater praktikant franz josef jung
Solche Stellen gibt es wirklich?

SCHÖPFERISCHE gEISTESKRAFT
Ja, auch die soll es hier manchmal geben. Zumeist findet man auf diesen Seiten allerdings Jura, oder Geschichtchen aus Washington.

Referendar Christian Hessen
Das bin ich. Aber gegruschelt wird nicht!

schreiben von Arbeitszeugnisse
Meistens schreibt man die ja selber. Glücklicherweise gibt es dazu tonnenweise Literatur und eine Unmenge von Seminaren. Oder, siehe oben, den Gang zum Fachanwalt.

seltsame nachrichten
Hey, das hier ist ein Blog und nicht die Tagesschau!

telekom eigene nummer herausfinden
Telefonbuch eigenen Namen heraussuchen?

übersetzung von sting song from the lab
Gibt es auf der Seite der Deutschen Grammophon.

unbekannter nummer herausfinden
Seh´ ich aus wie Verona Feldbusch?

“wahlstation lufthansa”
Habe ich zwar nicht gemacht, ist aber bestimmt interessant.

“was verdient ein jurist referendar in hessen”
Die Antwort ist ganz einfach: Zum Leben zuwenig, zum Sterben zuviel! Nebenjobs, möglichst mit Bezug zur juristischen Tätigkeit, oder reiche Erbtanten sind unabdingbar.

“web 2.0″ störer
Geht es um eine innovative Hausarbeit im Polizeirecht? Oder mal wieder um die StudiVZ-Posse?





Viel Lärm um Nichts

29 11 2006

Daß die Verfahrenseinstellung im Fall Esser/Ackermann zu den üblichen populistischen Reaktionen vieler Politiker führt, war zu erwarten. Ex-BGH-Richter Wolfgang Neskovic (laut Einschätzung des BGH-Präsidialrates “fachlich ungeeignet”), inzwischen Bundestagsabgeordneter und “rechtspolitischer Sprecher” der PDS-Linkspartei, entblödet sich nicht einmal, die Angeklagten mit Sozialhilfebetrügern zu vergleichen. Während bei letzteren die Schädigung klar auf der Hand liegt, fragt man sich beim Esser/Ackermann-Verfahren, wer überhaupt geschädigt worden sein soll. Der einzig erkennbare (Image-)Schaden wurde durch das jahrelang währende Strafverfahren geschaffen.

Jene, die jetzt laut aufschreien, sollten sich vergegenwärtigen, daß eine Verfahrenseinstellung nach § 153a StPO nur mit Zustimmung der Staatsanwaltschaft in Betracht kommt. Außerdem lohnt es sich, statt das Gericht mit unsachlicher Kritik zu überziehen, einen Blick in die ausführliche Begründung des Einstellungsbeschlusses zu werfen. Auszüge hat Udo Vetter im Lawblog dokumentiert.

Hinter all der Empörung steckt, ehrlich gesagt, doch nur eines: der typisch deutsche Sozialneid. Da gibt es Menschen, die unglaublich viel verdienen und millionenschwere Prämien aushandeln - das mag der deutsche Michel nicht. Ein guter Schuß Sozialismus gehört in Deutschland eben zum guten Ton und sorgt für Wählerstimmen. Doch was (pseudo-)moralisch noch halbwegs nachvollziehbar sein mag, ist noch lange nicht juristisch fundiert. Noch gibt es auch in Deutschland einen letzten Rest unternehmerischer Freiheit.





Kein Geld für Spammer

29 11 2006

Vor Weihnachten häufen sich, wie in jedem Jahr, die Spendenaufrufe für wohltätige Zwecke. Viele der beworbenen Projekte sind sinnvoll, weil sie Menschen in existentieller Not helfen. Allerdings ist es mir schleierhaft, warum das liebe Spendengeld z.T. für Postwurfsendungen mit Weihnachtsaufklebern und Grußkarten “reinvestiert” wird. Dafür möchte ich lieber kein Geld geben. Die absolute Todsünde begehen allerdings Spendenwerber, die mir mit Spammails das Emailpostfach zumüllen. Solche Organisationen, deren Namen ich hier bewußt nicht nenne, werden lebenslänglich von meiner Spendenliste gestrichen. Da ist mir der Kollekten-Werbeblock im Sonntagsgottesdienst deutlich lieber als das tägliche Ausmisten der Inbox bzw. ständiges Rejustieren des Spamfilters.





Mal wieder nörgeln

28 11 2006

Der Begriff “Servicewüste Deutschland” ist ab sofort aus meinem Vokabular gestrichen. Gut, in Berlin sagt einem schon mal der Taxifahrer, in dessen Gefährt man gerade einsteigen wollte, um ein nicht weit entfernt liegendes Ziel zu erreichen: “Det könn´se ooch loofen!” Auch fehlt in Deutschland ganz generell die Freundlichkeit des hier ständig zu hörenden “Excuse me, please…“, “How you doin´?” und “Take care“. Dieser professionelle Habitus geht sogar soweit, daß sich der Kassierer bei Safeways auch dann noch mehrfach bei mir entschuldigt, als mir aus eigener Dusseligkeit ein Dollarschein aus der Hand fällt und ich mich deshalb bücken muß.

Aber - und jetzt kommt ein sehr großes Aber: Man möge im Land der unbegrenzten Möglichkeiten selbige nicht unbedingt vom Servicepersonal erwarten. Und im Vergleich zu den hiesigen Gepflogenheiten steht Deutschland keinesfalls schlecht da.

Daß die Einlaßkontrolle vor öffentlichen Gebäuden oft nur reine Show ist, mag ja noch angehen. Immerhin hat das zeitraubende Procedere zwei wichtige Funktionen: Es vermittelt “gefühlte Sicherheit” und es schafft Arbeit für Menschen, die gern Uniform tragen und für Ordnung sorgen, es aber nicht auf die Polizeischule geschafft haben.

Von praktischer Relevanz ist bei der Sicherheitskontrolle allein, daß man eine Photo ID besitzt. Was oder wer darauf zu sehen ist, ob es sich vielleicht um die Mitgliedskarte eines griechischen Saunaclubs, einen moldawischen Jugendherbergsausweis oder einen internationalen Studentenausweis (ISIC) aus dem Reisebüro um die Ecke handelt, ist dabei völlig unerheblich. Lediglich mein deutscher Reisepaß wurde einmal kritisch beäugt und abgelehnt, was aber zu keinen größeren Schwierigkeiten führte, weil der mitgeführte ISIC problemlos akzeptiert wurde. Anschließend werden zumeist die mitgebrachten Taschen durchleuchtet. Nur interessiert sich dabei kein Mensch dafür, was auf dem Monitor zu sehen ist und ob der plötzliche Piepton der Anlage auf eine zu sensitive Einstellung oder das mitgebrachte Waffenarsenal eines durchschnittlichen Realschülers schließen läßt.

Auch in der freien Wirtschaft, zum Beispiel beim amerikanischen Mediamarkt-Pendant Best Buy, erwarte man bitte nicht zuviel. Diese Digitalkamera ist das derzeitige Spitzenmodell dieses Herstellers? Ist ja toll, aber was kann sie genau? Der Verkäufer, der sich per Handschlag als Jeff vorgestellt hat, zuckt kurz mit den Schultern, kann dann aber immerhin dadurch ablenken, daß er noch eine zusätzliche Speicherkarte anbietet. Ist das etwas kleinere Modell der Konkurrenz nicht vielleicht doch besser? Ja, das ist das derzeitige Spitzenmodell dieses Herstellers. Aha - da merkt man doch gleich, daß man vom Fachmann bedient wird, der letzten Monat vielleicht noch Brot gebacken oder Autos repariert hat.

Die größte Servicepleite habe ich allerdings gestern in einer Filiale der amerikanischen Post erlebt. Schon die Öffnungszeiten dieser Behörde sind eine Zumutung. Noch schlimmer aber sind die Postbeamten, die es überhaupt nicht kümmert, sich lautstark zu dritt zu unterhalten, während die wartenden Kunden sich brav in eine Schlange hinter den einzigen geöffneten Schalter einreihen.

Ist man dann endlich dran, hilft auch das nicht in jedem Fall weiter. Den Brief nach Deutschland, so der gelangweilte Schalterbeamte, könne er nämlich leider nicht annehmen. Warum? Weil der Umschlag eine falsche Farbe hat! Wie bitte? Nun, grüne Umschläge werden nur innerhalb der USA transportiert. Und da Germany leider noch kein Bundesstaat ist, könne man diesen Brief nicht transportieren. Ich sollte es doch mal mit einer anderen Farbe probieren.

Morgen werde ich also den gleichen Brief in einem grauen Umschlag in die Postfiliale bringen. Hoffentlich ist grau nicht für die Militärpost, die Indianerreservate oder Kongreßabgeordnete bestimmt. Ansonsten könnte es nämlich passieren, det ick die Höflichkeit vonne Amis vajesse und den Typ wie in Balin übern Sörwis uffklärn tu. Da kiekste, wa?





Fadenscheinige Diskussion

21 11 2006

Und wieder ist ein ehemaliger Schüler Amok gelaufen, und wieder gibt es die obligatorischen Diskussionen und Verbotsvorschläge. Da wird einerseits gefordert, bestimmte Computerspiele zu verbieten, und andererseits wird wieder einmal die Lehrerschaft zum Sündenbock der Nation gemacht. Dabei ist allen Verantwortlichen klar, daß diese Diskussion nichts bringt und die Sicherheit an den Schulen kein bißchen erhöht. Hier soll offensichtlich die Öffentlichkeit beruhigt und der Eindruck erweckt werden, daß sich irgendetwas verändert - selbst wenn ein Verbot von Computerspielen in Zeiten des Internet keinerlei Sinn ergibt.

Die einizg wirksame Maßnahme gegen bewaffnete Amokläufer in der Schule sind Eingangskontrollen vor den Schulgebäuden, verbunden mit Leibesvisitationen und Durchleuchtung von Schultaschen und Rucksäcken. Schulen und Universitäten in den USA haben mit einer solchen Campus Police gute Erfahrungen gemacht. Das kostet natürlich Geld, das entweder der Staat oder die Eltern aufbringen müßten. Außerdem ist es für die Schüler eine zusätzliche, tägliche Belastung.

Die Politik müßte nun die Frage beantworten, ob man flächendeckend Waffenkontrollen einführen will oder lieber weitere Opfer in Kauf nimmt. Beide Alternativen sind nicht erfreulich, so daß es nicht verwundert, daß Politiker sich lieber an der Scheindebatte über Computerspiele beteiligen, statt sachliche Lösungen zu diskutieren.





Kampf für die Polygamie

21 11 2006

Die Washington Post berichtet in ihrer heutigen Ausgabe über den anhaltenden Kampf der Mormonen für die Polygamie. Dabei stellen sie nicht mehr wie früher auf die Religionsfreiheit ab, sondern übernehmen Konzepte der Lesben- und Schwulenbewegung. Im Vordergrund der politischen Überzeugungsarbeit stehen nun Menschenrechte wie die Privatsphäre, das Recht auf sexuelle Selbstbestimmung und die persönliche Freiheit.

Obwohl die Vielehe auch in Utah, dem Staat mit der größten mormonischen Bevölkerungsgruppe, offiziell strafbar ist, sehen viele Behörden inzwischen von der Verfolgung ab, sofern keine anderen Straftaten im Spiel sind. Da die Polygamie aber häufig auch Eheschließungen und Geschlechtsverkehr mit Minderjährigen umfaßt, wird sie von der amerikanischen Öffentlichkeit sehr kritisch gesehen.

Interessant ist, daß vor allem Frauen sich für die Vielehe engagieren. Männer, so einer der Betroffenen, fürchteten eher die Verantwortung für mehrere Frauen: “Usually the women tend to be the biggest advocates of this way of life and men enter it more timidly.”





Abschalten!

20 11 2006

Daß das StudiVZ eine dreiste Facebook-Kopie ist, deren Macher einen ebenso unangemessenen wie unappetitlichen Stil pflegen und sich zudem einen Dreck um den Datenschutz ihrer User scheren, dürfte allgemein bekannt sein. Ebenso bekannt ist, daß sich die Nutzer der Community darum bisher kaum gekümmert haben. Der bisher beste Vorschlag zur Beendigung dieses Ärgernisses stammt aus der Feder DonAlphonsos:

“StudiVZ ist eine Firma. Was ich mich frage - und die Frage geht an die hier mitlesenden Unileute: Die Jungs kosten die Unis ein Schweinegeld für Traffic und Infrastruktur. Die Jungs scheren sich einen Dreck um die Studenten. Gleichzeitig rennen vierhundert Mitarbeiter von den durch die Unis und werben Leute an.

Wieso haut man diese Bande nicht hochkant raus? StudiVZ-URLs blocken, eine erklärende Seite schalten, und die Campus Captains so hochnehmen, wie sich das mit anderem kommerziellen Vertreterabschaum gehört. Es ist ja nicht so, dass der Studi als ein solcher blöd ist - vielleicht kann man denen die Sache auch erklären.”

Bei Peter Lustig hieß das damals: “Abschalten!”





Gutes oder juristisches Deutsch?

17 11 2006

Juristen sind in der Regel davon überzeugt, mit der Sprache gut umgehen zu können. Sie ist schließlich ihr tägliches Handwerkszeug, und mit viel Mühe und jahrelangem Training gelingt es den meisten Vertretern der Zunft, unklare Sachverhalte in möglichst präzise Schriftsätze zu fassen. Was dagegen Journalisten über die sprachlichen Fähigkeiten dieser Berufsgruppe halten, kann man in einem Eintrag des Tagesschau-Blog über den amtierenden Verteidigungsminister lesen:

“Sicher, ein rhetorischer Wirbelwind ist Franz Josef Jung nicht. Er ist Jurist und spricht eben oft auch wie einer.”

Das nennt man wohl Parallelwertung in der Laiensphäre.





Hochwasser und Tornado

16 11 2006

Nach vielen sonnigen Herbstwochen zeigt sich Washington dieser Tage von seiner ungemütlichen Seite: Tagelanger, intensiver Dauerregen bei 20 Grad Celsius macht keine Freude, und die morgendlichen Umwege um die Abwasserpfützen werden auch immer größer. Soetwas wie Nieselregen scheint es hier nicht zu geben. Es regnet zwar an nur wenigen Tagen im Jahr, aber wenn, dann ergießen sich gleich Sturzbäche. Nun warnt gerade die Unwetterzentrale, daß dem District of Columbia bis 17.45 Uhr eine Überflutung und danach ein Tornado droht. Und bis morgen Mittag soll es auch an der Atlantikküste Sturmflut geben. Wie gut, daß ich im 11. Stock sitze und der Kaffee noch für ein paar Tage reicht.





Business casual?

16 11 2006

Furchtbar sei das, nicken sich die beiden Frauen neben mir im Fahrstuhl zu. Eine von ihnen fliegt zu einem Meeting nach Austin, Texas, das irgendwo außerhalb der Firma stattfindet. “Business casual” sei gewünscht, so stand es in der Einladung. Aber da wisse man als Frau natürlich nie, was nun genau gemeint sei. Ein Hosenanzug könne leicht zu formal, ein feiner Cashmere-Pullover dagegen schnell zu locker wirken. Warum schreiben die Veranstalter nicht eindeutig, welchen Grad von Formalität sie erwarten, also entweder business oder casual? So eine Mischung könnten sich eigentlich nur Männer einfallen lassen, die hätten es mit ihren ewig gleichen Anzügen schließlich leicht und müßten morgens nur eine passende Krawatte aussuchen.

In der Eingangshalle angekommen lasse ich die Damen schnell mit ihren Problemen alleine -  und werde mir merken, niemals business casual auf eine Einladung zu schreiben. Es wäre doch schade, wenn Gäste absagen, nur weil sie nicht wissen, was sie anziehen sollen.





Squirrel-Content

8 11 2006

In Udo Vetters LawBlog ist nach allerlei Hunde- und Katzencontent inzwischen der juristische Alltag wieder eingekehrt. Gut so!

Mir scheint allerdings ein possierliches Tierchen in der deutschen Blawger-Szene deutlich unterrepräsentiert zu sein: die Rede ist vom nordamerikanischen Grauhörnchen, Sciurus carolinensis oder einfach Squirrel. Diese freundlichen kleinen Gesellen leben fast überall in und um Washington. Sie sitzen in Baumhöhlen im Garten des Weißen Hauses, sammeln Nahrung am Dupont Circle und klettern in den Parks frech den Skulpturen auf die Schultern. Von Menschen lassen sie sich dagegen überhaupt nicht beeindrucken, die sind sie nämlich gewohnt.

Folgendes Exemplar habe ich vor ein paar Wochen am Farragut Square beobachtet:

Und nein, hier gibt es weder Urlaub noch Vertretung!





Welches Gericht ist zuständig?

7 11 2006

Auch in den USA ist es nicht immer ganz einfach, das jeweils zuständige Gericht zu finden. Gerade bei den Bezirken der Bundesberufungsgerichte fragt man sich oft, ob z.B. Wyoming nun zum achten, neunten oder zehnten Bezirk gehört. Hier bietet die Seite U.S. Courts Hilfestellung, die nicht nur die Gerichtsorganisation des Bundes beschreibt, sondern auch einige Karten zur schnellen Übersicht anbietet.

Insgesamt existieren in den USA zwölf Bundesberufungsgerichte, wovon allerdings nur elf numeriert sind und das zwölfte auf dieser Karte fehlt, weil es nur für den kleinen District of Columbia zuständig ist. Für alle Gerichte wird eine umfangreiche Statistik geführt. Aus dieser geht z.B. hervor, daß jeder Richter des Bundesberufungsgerichts für den District of Columbia in den zwölf Monaten zwischen Oktober 2004 und September 2005 durchschnittlich an 60 Entscheidungen beteiligt war, während die Richter im vierten Bezirk, der die benachbarten Staaten umfaßt, im gleichen Zeitraum durchschnittlich 184 Urteile fällen mußten.

Achja, Wyoming gehört natürlich zum zehnten Berufungsbezirk.  Das Gericht hat seinen Sitz allerdings in Denver, Colorado. Der Weg zum Recht ist eben manchmal recht weit.





Ein spannender Tag

7 11 2006

Schon in den letzten Tagen bin ich auf dem Weg zur Arbeit und vor dem Supermarkt angesprochen worden, ob ich in DC wahlberechtigt sei. Heute wird nämlich nicht nur der amerikanische Kongress zum Teil neu gewählt (das Abgeordnetenhaus und ein Drittel des Senats), sondern auch der Bürgermeister des District of Columbia.

Aus historischen Gründen (die bei der Wikipedia viel besser erklärt sind, als ich es hier könnte) wählt die Bevölkerung der Hauptstadt inzwischen zwar den Präsidenten mit, nicht aber das eigene Parlament - wenn man einmal von einem nicht stimmberechtigten Abgeordneten des Hauses absieht. Damit hat DC in den USA einen ähnlichen Status wie seinerzeit West-Berlin in der alten Bundesrepublik, wenngleich die Ursache dafür eine völlig andere ist.

Trotzdem ist der Wahlkampf auf der Straße hier nicht weniger interessant als im Rest der USA. Und diejenigen, die heute morgen schon im Wahllokal waren, tragen stolz einen Button mit der amerikanischen Flagge und den Worten “I voted“.





Nicht kompatibel

1 11 2006

Ich sitze gerade in der Bibliothek, und neben mir flucht mein rumänischer Mitbewohner immer lauter in Richtung des Computers, vor dem er sitzt. Nach etwa zwanzig Minuten frage ich ihn, wo das Problem liegt. Er hat eine Hausaufgabe geschrieben, mit dem nagelneuen Word 2007. Doch die Software der Universität kann das neue Dokumentenformat nicht lesen und nimmt die Arbeit deshalb nicht an. Auch das öffentliche Terminal in der Bibliothek weigert sich, aus der Datei sinnvollen Text herauszulesen. Nun ist der gute Mann im Streß, denn nach Mitternacht wird seine Hausarbeit vom Unirechner nicht mehr akzeptiert.

Ich gebe ihm den Tip, seine Arbeit einfach mal im Uraltformat RTF abzuspeichern. Und siehe da, diese Datei wird anstandslos akzeptiert. “You made my life a lot easier”, ist der begeisterte Dank für meinen recht banalen Hinweis. Wenn man einmal davon absieht, daß ich jetzt wieder ohne akustische Hintergrundbeschallung an meinem Text arbeiten kann.