Wasserstandsmeldung

28 08 2006

In diesen Tagen geht es hier, bedingt durch das in der nächsten Woche beginnende Staatsexamen, sehr ruhig zu. Der letzte Test ist glücklicherweise längst nicht so negativ ausgefallen, wie ich befürchtet hatte, und die heutige exzellente Besprechung der Aufgabe am Landgericht hat mir wieder einmal gezeigt, wie wichtig Nachbereitungen sind.

Mit zunehmender Vorbereitung werde ich allerdings immer (selbst)kritischer. Ich sehe jeden Makel in der eigenen Arbeit besonders deutlich und ärgere mich vor allem über Fehler und Argumentationsschwächen, die eigentlich nicht passieren dürften, aus Flüchtigkeit oder Zeitnot aber trotzdem immer wieder auftauchen. Inzwischen hoffe ich nur noch, daß bald alles vorbei sein wird und auch nichtjuristische Themen und Beschäftigungen wieder stärker in mein Blickfeld rücken können. Mal wieder ein paar gute, nichtjuristische Bücher lesen, ins Museum oder ins Konzert gehen – das wär´s!

Momentan im CD-Player (wohl ganz passend): Komm, du süße Todesstunde (BWV 161)





Zwei Tage in Berlin

24 08 2006

Auf der Hinfahrt den gespenstisch-leeren Bahnhof Zoo erlebt & erstmals die „Kathedrale der Mobilität“ im fertigen Zustand betreten & ein paar in die Hauptstadt gezogene Freunde wiedergetroffen & im Hilton (Kantine) gut gegessen und noch besser Kaffee getrunken & zufällig zwei alte Wirkungsstätten besucht (Friedrichstraße und Robert-Koch-Platz) und ganz nostalgisch geworden & kitschig-heruntergekommene Szeneläden in Mitte bestaunt & ganz phantastisch und dabei auch noch preiswert bei Monsieur Vuong vietnamesisch gegessen (längst kein Geheimtip mehr, wer nicht kurz nach Ladenöffnung kommt, muß damit rechnen, auf einen Tisch zu warten) & Klatsch und Tratsch aus dem Ministerium gehört & am Hackeschen Markt viel zu lange auf lauwarme Milchkaffees gewartet und trotzdem nicht darüber geärgert & auf der WG-Couch übernachtet (bei gaaaaanz hippen Leuten mit freizügigen schwarz-weiß Selbstportrait-Fotostreifen in der Küche; die machen bestimmt alle irgendwas Supitolles mit Medien) & mal wieder mit der U-Bahn nach Dahlem gefahren & im amerikanischen Konsulat erlebt, daß die Arbeit dort auch nicht anders aussieht als in der Stadtverwaltung Castrop-Rauxel & nach drei Stunden Wartezeit zwei Fingerabdrücke abgegeben und ein Visum bekommen & zurück am Hauptbahnhof die DB Lounge für ungemütlich befunden & pünktlich und bequem mit dem Zug zurück in die Provinz gefahren und dabei unverhofft auch noch einen weiteren Bekannten getroffen, der mich auf der Rückfahrt sehr erfolgreich vom Lesen abgehalten hat.

Dafür diesmal kein einziges Museum. Und gelernt habe ich an den zwei Tagen auch fast nichts. Ein paar Fotos gibt es hier.





Post von der Lufthansa

22 08 2006

Die Lufthansa hat mir eine längere Mail geschickt, denn die Buchungsdaten für meinen Flug nach Washington wurden geändert. Aufgeführt sind die neuen Flugdaten, außerdem ein längerer Text über verschärfte Einreisebedingungen in die USA. Falls ich wegen der Umbuchung noch Fragen habe, darf ich mich gern an meinen Lufthansa Ansprechpartner werden.

Ehrlich gesagt hatte ich zuerst Probleme zu erkennen, was sich überhaupt geändert hat. Dann habe ich meine ursprüngliche Buchung herausgesucht und bemerkt, welche Änderung da auf mich zukommt: Im Ergebnis hebt mein Zubringer-Flieger in Bremen ganze zehn Minuten später ab als geplant. So eine Ansprache möchte ich mal bei einer der üblichen Verspätungen der Bahn erleben.





Ein letzter Test

21 08 2006

In Künstlerkreisen sagt man, daß die Generalprobe mißlingen muß, damit die Premiere ein Erfolg wird. Wenn dieses Prinzip auch für die Rechtswissenschaft gilt, habe ich heute im Klausurenkurs alles richtig gemacht. Für mich war heute die letzte Gelegenheit, noch einmal meine Fähigkeiten im Strafrecht zu testen. Gefragt war nach einer Anklageschrift sowie einem umfangreichen materiellen und prozessualen Gutachten.

Trotz eines relativ kurzen Sachverhalts enthielt die Aufgabe viele interessante Probleme: Materiell ging es um eine Körperverletzung mit Todesfolge, eine weitere Tötung in Notwehr, einen räuberischen Diebstahl in einem besonders schweren Fall, gefährliche Körperverletzung und ganz viel Kleinkram von der Sachbeschädigung bis zur versuchten Nötigung. Erstmals in meinem Leben bin ich sogar der geschätzten Ingeborg Puppe gefolgt und habe eine Mittäterschaft bei einem Fahrlässigkeitsdelikt angenommen. Nicht nur materiell, sondern auch prozessual fiel mir viel zu viel ein, z.B. die Sicherstellung und Beschlagnahme von Unterlagen eines Journalisten, die Beantragung eines Haftbefehls, die Beweisverwertung eines privat mitgeschnittenen Telefongesprächs, die Einziehung eines Tatwerkzeugs etc.

So weit, so gut. Nur leider lief mir trotz schnellen Schreibens die Zeit viel zu schnell davon, so daß ich zwar 24 karierte, eng beschriebene Seiten abgegeben habe, aber dennoch nicht fertig geworden bin. Es fehlt zwar nicht mehr viel, aber mitten in der Anklageschrift abzubrechen, ist nicht nur ärgerlich, sondern stümperhaft. Im Ernstfall darf das nicht passieren, weshalb das Endergebnis möglichst nicht erst in den letzten zehn Minuten der Klausur angefertigt werden darf. Dann lieber zwei Argumente weniger im prozessualen Gutachten, aber dafür eine „praxistaugliche Arbeit“.

Die Anforderung der vermeintlichen „Praxistauglichkeit“ kann man allerdings nur als schlechten Scherz bezeichnen. Mit dem, was ich in fünf Stunden einsamer Arbeit unter Klausurendruck per Hand und oft ohne die wirklich relevante Literatur und Rechtsprechung abliefere, möchte ich mich beim Mandanten oder vor Gericht lieber nicht sehen lassen. Und eine Benotung, die ein der äußeren Form nach akzeptables, aber auf einer fehlerhaften oder unvollständigen rechtlichen Würdigung beruhendes Endergebnis höher bewertet als ein ordentliches Gutachten ohne die vollständige Fleißarbeit am Schluß, ist geradezu ridikül. So besteht z.B. das Verfertigen einer Anklageschrift im Wesentlichen aus dem Abschreiben von Gesetzesformulierungen und einer Kurzzusammenfassung des Sachverhaltes, wohingegen eine korrekte materielle und prozessuale Würdigung durchaus eine gewisse Denkarbeit erfordert. Wer also von der Materie wenig weiß und noch weniger prüft, wird zwar kein großartiges, aber zumindest ein ausreichendes Ergebnis erzielen. Wer dagegen eine große Palette von Problemen beackert, die im Fall stecken, aber am Schluß diese nicht vollständig unterbringen kann, erreicht kein „praxistaugliches“ Ergebnis und landet vielleicht sogar unter dem Strich. Das mag man Klausurtaktik nennen, für mich ist es eher die Anleitung zur Stümperei.

Aber das ist eben das ewige Drama der Juristen, das trotz jahrhundertelangem Lamento anhält: Wir kennen keine Fachdidaktik, die ihren Namen verdient, und unser Prüfungssystem setzt nicht unbedingt die richtigen Anreize und kann stark vom Zufall beeinflußt werden. Im übrigen kennt die Juristerei auch keine Qualitätssicherung, die valide Ergebnisse liefert – doch ich schweife ab.

Immerhin, die Routine ist jetzt da, und auch die fast tägliche abendliche Lern-AG mit den Kollegen zeigt wichtige Folgen. Jetzt muß, wie ein verehrter, nun in Berlin weilender Kollege immer sagt, „die Kraft auf den Asphalt“ gebracht werden.

Und dennoch geht es mir wie dem Göttinger Kollegen, der in den letzten Tagen häufig sagt: „Mir brennt gerade gewaltig der Bürzel.“





Ein unbekannter Anrufer

19 08 2006

Heute ist in diesem Blog wohl der Tag der privaten Erlebnisse. Gerade habe ich wieder eine Episode erlebt, die ich meinen Lesern nicht vorenthalten will.

Beste Freundin von allen: „Du, ich habe hier so eine seltsame Nummer in meinem Handy. Ich habe keine Ahnung, wem die Nummer gehört und wie die hierher kommt. Ob ich da mal anrufe?“

Ich: „Das mußt du wissen. Da kann ich dir auch nicht helfen.“

F.: „Ach nein, nachher weiß ich gar nicht, was ich dann sagen soll. Kann man nicht im Internet herausfinden, wem die Nummer gehört?“

Ich: „Es gibt die Inverssuche der Telekom. Diktier´ mir doch mal die Nummer.“

F.: „017…………“

Ich (grinsend): „Das ist deine eigene Nummer!“

Da habe ich doch gern geholfen.





Nur noch 128 Tage bis Weihnachten

19 08 2006

Pünktlich zum Beginn der diesjährigen Weihnachtssaison, also heute, habe ich im Supermarkt die ersten Spekulatius und andere Weihnachtsartikel entdeckt. Das wurde ja auch wirklich langsam Zeit!

In diesem Zusammenhang erlaube ich mir, auf diese sinnvolle Kampagne hinzuweisen. Vielleicht begreifen sogar Kaufleute irgendwann, daß die Masse der Konsumenten keine Lebkuchenherzen zum Grillwürstchen mag. Selbst die ebenfalls fast überall zu findende Kürbis-Deko für Halloween ist im August völlig verfrüht. Wer kauft das Zeug jetzt?





Bürogespräch

19 08 2006

Er (leicht größenwahnsinnig): „Es muß großartig sein, wenn man zehn Frauen hat. Ich glaube, davon träumt jeder Mann.“

Sie (kühl): „Ich hoffe, du hast drei Räume für die Schuhe der Damen reserviert.“

Mir ist wieder einmal ganz klar geworden , warum ich Einzelbüros bevorzuge.





Schlußmachen dot com

18 08 2006

Scheiden tut weh – das wußte schon das deutsche Volkslied. Wer seinen Partner loswerden möchte, sich aber vor der Trennungsphase drücken will, kann auch das jetzt elektronisch tun. Möglich macht dies eine neue Dienstleistung, die Trennungsagentur. Man kann sogar wählen, ob man eine „sanfte“ oder „unbarmherzige“, schriftliche oder persönliche Trennungsansprache wünscht.

Man mag von solchen Dienstleistungen halten, was man will. Meine persönliche Meinung dazu ist eher ablehnend, ich halte schon Trennungen per Telefon oder SMS für äußerst stillos. Auf ganz dünnes Eis begibt sich die Agentur jedoch, wenn sie auch die „Beendigung von Geschäftspartnerschaften und Arbeitsverhältnissen“ sowie „Produkte“ wie „Rückführung von Eigentum“ oder „Aussprache von Kontaktverboten“ anbietet. Dies könnte nämlich durchaus als unzulässige Rechtsberatung angesehen werden.

(Gefunden im Wyberlog)





Mal ganz woanders publizieren

17 08 2006

Diese Woche hat mich ein interessanter „Call for Papers“ erreicht: Die Самарский Государственный Экономический Университет, also die Staatliche Handelsuniversität Samara in Rußland, sucht Aufsätze für einen im Herbst erscheinenden Sammelband. Dieser soll den Titel „Rechtliche Regulierung der Tätigkeit des wirtschaftlichen Subjekts“ tragen und deutsch- sowie englischsprachige Publikationen zum Wirtschaftsrecht vereinigen.

Gestern habe ich dann einfach mal einen Beitrag zum Wirtschaftsstrafrecht mit pharmarechtlichem Schwerpunkt eingereicht. Ich bin gespannt, wie die Sache weitergeht.





Schöne Bilanz

16 08 2006

Seit ziemlich genau einem Monat blogge ich nun in diesem neuen Weblog, und die geneigte Leserschaft ist mir offensichtlich treu gefolgt. Mit fast 6.000 Besuchern sind meine Erwartungen für die erste Zeit im neuen virtuellen Heim mehr als übertroffen worden, woran sicher auch die schnelle Umstellung des RSS-Feeds in den Jurablogs sowie die Listung bei den GermanBlawgs mitverantwortlich ist. Ich freue mich jedenfalls schon auf die nächsten Monate und bin angespornt, auch in der Examens- und Wahlstationsphase fleißig weiterzubloggen.





Ärgerlich

15 08 2006

Das Regierungspräsidium Kassel (für alle Niedersachsen: das ist ungefähr das, was bei Euch mal die Bezirksregierungen waren) ist stolz auf seine Homepage, die auch Informationen für Referendare enthält. Dort ist z.B. zu lesen, daß die heutige Aufgabe des Klausurenkurses rechtzeitig vor dem nächsten Examenstermin zurückgegeben und besprochen werden soll. So fuhren die Kollegen und ich heute morgen frohgemut von Göttingen nach Kassel – und mußten dort erfahren, daß zwar eine Klausur geschrieben, diese aber erst in der ersten Woche unserer Examensklausuren zurückgegeben werden soll. Diese Information hätte man wohl ohne großen Aufwand online stellen können. Eine nicht besprochene und zurückgegebene Klausur ist nämlich relativ nutzlos, so daß wir beschlossen, diesmal nicht mitzuschreiben.

Immerhin konnten wir der Krankheitsvertretung des Klausurenkursleiters die Information entlocken, daß der Fall BVerwGE 97, 323 nachgebildet ist und lediglich für hessische Verhältnisse etwas modifiziert wurde. Damit läßt sich der Sachverhalt immerhin in meiner täglichen privaten Arbeitsgemeinschaft lösen. Und der anschließende Frust-Brunch im Alex war auch recht lecker.





Geladen

12 08 2006

Seit heute bin ich offiziell zur „Anfertigung der Aufsichtsarbeiten“ geladen. Los geht es in der Woche vom 4. bis zum 8. September mit vier Klausuren im Zivil-, Zivilprozeß- und Zwangsvollstreckungs- sowie Wirtschaft- und Arbeitsrecht. In der Woche darauf geht es dann mit öffentlichem und Strafrecht weiter.

Ein wenig verwundert hat mich nur die folgende Anweisung: „Das notwendige Schreibpapier ist von Ihnen mitzubringen. Bitte verwenden Sie keine Spiralblöcke oder Spiralhefter.“ Fürchtet sich das JPA vor verzweifelten Suizidversuchen beim Anblick der Klausuraufgaben?





Diebstahl mal anders

12 08 2006

Der Diebstahl von Gebrauchtfahrzeugen ist in den letzten Jahren durch eingebaute Wegfahrsperren, die Möglichkeit der Satellitenortung und eine verbesserte europäische Zusammenarbeit der Polizei deutlich unattraktiver geworden. Außerdem muß der Dieb jemanden haben, der ihm den Wagen abnimmt und dafür zahlt.

Durch steigende Kraftstoffpreise kommt nun allerdings eine Art des Diebstahls in Mode, an die bis vor kurzem noch niemand gedacht hat:der Benzinklau. Findige Kriminelle kriechen unter Autos, sägen die Kraftstoffleitung an und fangen das auf diese Weise gewonnene Benzin ab. Für die Opfer ist das eigentlich Ärgerliche nicht der gestohlene Kraftstoff, sondern die anschließend notwendige Reparatur des Fahrzeugs.

Man möchte nicht glauben, daß sich Menschen für einen Betrag von zumeist deutlich unter hundert Euro strafbar machen. Die Erfahrung zeigt leider das Gegenteil.





So ist das mit dem Common Law

11 08 2006

Frau Henriette erklärt auf amüsante Art die Probleme des englischen Verbrauchers, der aufgrund von Schlechtleistungen mindern möchte. Glücklicherweise gibt es auch in Großbritannien inzwischen das ein oder andere geschriebene Gesetz, und die Umsetzung von verbraucherschützenden Richtlinien wird auch der Legislative Albions nicht spurlos vorübergegangen sein.





Keine Komplimente

10 08 2006

In den letzten Tagen bekomme ich gehäuft Sätze wie die folgenden zu hören: „Sie sehen aber schlecht aus“, „Ohje, Kollege, du bist aber kaputt“, „Mann, siehst du fertig aus!“ Dabei ist es doch bis zum Examen noch drei Wochen hin. Dann rufen sie wahrscheinlich den (kirchenrechtlich zugelassenen) Exorzisten, wenn ich über die Straße laufe.